Einen Vulkanausbruch in Island wird es hoffentlich dieses Jahr zur Art Cologne nicht geben. 2010 hatte der Ascheregen den gesamten Flugverkehr über Europa lahmgelegt. Die internationalen Gäste mussten zwangsweise zu Hause bleiben. "Das hatte aber auch sein Gutes," sagt der Düsseldorfer Galerist Hans Mayer, "alle Sammler und Kuratoren aus dem Rheinland, Belgien und Holland, die ja auch nicht reisen konnten, waren da." Die Messe wurde trotz widriger Umstände ein Erfolg und bewies ihre Nagelprobe zum Neuaufbruch. Mit der Klientel aus Übersee rechnet man in diesem Jahr bei der 45. Ausgabe der Art Cologne wieder fest. Schon deshalb, weil das Galerienspektrum viel internationaler geworden ist. Direktor Daniel Hug hat das vergangene Jahr klug genutzt, um Top-Adressen wie etwa Andrew Kreps (New York), Team Gallery (New York), Tomio Koyama (Tokio), Hauser & Wirth (London/New York/Zürich), Leo Koenig (ebenfalls New York), die Galerie Lelong (Paris/Zürich) aufs Neue für die Urzelle aller Kunstmessen zu begeistern. Mehrerea Jahre hatten Sprüth Magers (Berlin/London), Kewenig (Köln/ Palma de Mallorca), Buchmann (Berlin) und andere der Art Cologne die kalte Schulter gezeigt. Nun sind sie wieder dabei. Das schürt Erwartungen und spricht für einen Qualitätsschub.

Mit der Rückkehr der Deweer Gallery (Otegem/Belgien) ergab sich über die Teilnahme mit einem Messestand hinaus auch die Sonderausstellung mit den Flugapparaten und Automodellen von Panamarenko. Der belgische Künstler, zwischen Poesie, Technik und Anarchie angesiedelt, ging mit Magnetschuhen an der Decke spazieren und gab den Traum vom Fliegen nie auf. Der geniale Tüftler begann seine Karriere im Rheinland. Joseph Beuys hatte ihn 1968 mit seiner Skulptur "Flugzeug" in die Räume der Kunstakademie in Düsseldorf sozusagen einfliegen lassen. Im Jahr 2000 widmete ihm das Museum of Modern Art in New York die Ausstellung "Useless Science". Lange Zeit waren die Arbeiten dieses Künstlers im Rheinland nicht in diesem Umfang zu sehen. Nun arrangiert die Art Cologne eine Wiederbegegnung mit dem Antwerpener.

Erschienen im Magazin Weltkunst, Ausgabe 04/11 © Weltkunst

Auf einem 33 Meter langen und acht Meter breiten Podest werden die großformatigen Skulpturen aufgestellt, ein Flugzeug von der gläsernen Decke abgehängt – eine logistische Herausforderung bei der luftigen Höhe. Bevor man sich von den Ideen und Objekten Panamarenkos bezaubern und in vorgestellte Lüfte hinwegtragen lassen kann, begrüßt den Besucher auf der großen Freifläche vor dem Haupteingang der Messehalle 11 eine der überlebensgroßen Aluminium-Doppel-Skulpturen "Boy and Girl" von Paul McCarthy. Hauser & Wirth stellt sie dort auf. Die direkt aus Los Angeles eingeflogenen Plastiken sind ein Statement der Galerie, die zum ersten Mal an der Art Cologne teilnimmt, "weil sie den deutschen Markt besser kennenlernen will", wie Daniel Hug sagt. Der Kontakt hatte sich über die Tefaf im vergangenen Jahr ergeben, ohne dass Hug zu seinem Erstaunen groß antichambrieren musste. Weitere Arbeiten des 1945 geborenen amerikanischen, radikal die Grenzen der Gesellschaft auslotenden McCarthy findet man am Stand der Galerie: Skulpturen und Zeichnungen, dazu Werke von Louise Bourgeois und Skulpturen der 1955 in New York geborenen Fotografin und Objektkünstlerin Roni Horn.

Das Spektrum der Messe reicht von der Klassischen Moderne bis zu den jüngeren Zeitgenossen. Henze & Ketterer bieten das Aquarell "Biblische Szene" von Emil Nolde von 1931/35 an. Auch Remmert und Barth aus Düsseldorf zeigen ein Nolde- Aquarell, einen eher burlesken "Apostelkopf" von 1912. g.a.m. galleria d’arte maggiore (Bologna) bringt ein kleines Stillleben von Giorgio Morandi mit, Schwarzer (Düsseldorf) ein wunderbares Relief von Hans Arp: "Konstellation von sieben weißen Formen auf weißem Grund" von 1963. Von der Klassischen Moderne geht es dann über Kunst der 1960er Jahre aber sehr schnell ab in die Gegenwart.

Der Direktor Daniel Hug sagt: "Der Standort Köln war eine Zeit lang unmodern geworden, warum, ist mir immer noch ein Rätsel. Am Wiederaufbau des früheren Images arbeite ich. Aber ich gehe es langsam an. Es macht ja keinen Sinn, Galerien anzuwerben, die beim nächsten Mal schon wieder abspringen, weil sie ihr Heil lieber in Indien oder China wittern." Nach drei Jahren ist es ihm gelungen, der Messe ein unverwechselbares Profil zu verschaffen: Eine Etage belegen die Klassische Moderne, Nachkriegskunst und die Kunst der 1960er Jahre mit großzügigen Ständen bis zu 100 Quadratmetern. Im Obergeschoss stellen auf kleinerem Raum die Galerien aus, für die die Art Cologne immer stand: die Avantgarde. "Ich möchte, dass die junge Kunst von heute im Kontext zur Klassischen Moderne verstanden wird, sich messen kann", sagt Hug. Neun Jahre hat er in Los Angeles gelebt, zwölf Jahre eine Galerie geführt. Er kennt die Szene. Auf eine leise Art arbeitet er an seiner Wunschliste der Teilnehmer für die Art Cologne, der ständigen Verbesserung der Qualität. Die Latte zur Zulassung der Art Cologne liegt bewusst hoch. "Keine Messe fordert so eine hohe Anmeldegebühr wie wir", sagt Hug, "1080 Euro entmutigen schon einmal all die Galerien, die es nicht ernst meinen und die wir auch nicht dabei haben wollen." Wird eine Galerie nicht angenommen, erhält sie immerhin die Hälfte der Gebühr zurück. Es kommt ihm nicht auf die Masse der Anmeldungen an, um zu prahlen, wie gefragt man am Rhein ist, und um möglichst viele Anmeldegebühren zu kassieren, sondern auf das Potential. So sucht Hug gezielt das Gespräch mit jenen, von denen er sich auch in Zukunft verlässliche Partner verspricht. "Allerdings", sagt Hug nicht ohne Stolz, "habe ich es durchgesetzt, dass die ganz jungen Galerien in der Sparte "New Contemporaries" ihre Messeteilnahme finanziert bekommen."