Der Maler Bernhard Heisig ist tot. Der Künstler starb im Alter von 86 Jahren in seinem Wohnort Strodehne an der Havel in Brandenburg. Das teilte sein Galerist Rüdiger Küttner der Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Heisigs Familie mit.

Der Maler, Graphiker und Zeichner gilt als einer der wichtigsten Vertreter der DDR-Kunst. Neben Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer war er Mitbegründer der "Leipziger Schule". Zu seinen bedeutendsten Schülern gehört der Maler Neo Rauch, der berühmteste Vertreter der "Neuen Leipziger Schule".

In seinem eigenen Werk lehnte sich Heisig an Vorbilder wie Otto Dix, Max Beckmann sowie Oskar Kokoschka an und wechselte zwischen klassischer Moderne, Realismus und Kollagenkunst. Zu seinen wichtigsten Arbeiten gehören Zeichnungen und Lithographien sowie Historiengemälde, etwa zur 1848er-Revolution. Als einer der wenigen DDR-Künstler setzte sich Heisig auch intensiv mit der Pop-Art auseinander.

Geboren in Breslau

Heisig wurde 1925 in Breslau geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er zunächst im Atelier seines Vaters, der ebenfalls Maler war. Von 1940 bis 1942 besuchter er dann die Kunstgewerbeschule in Breslau. Mit 17 Jahren leistete Heisig, der sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet hatte, Kriegsdienst. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er als Invalide aus sowjetischer Gefangenschaft entlassen. 

Nachdem er einige Jahre als freiberuflicher Künstler tätig gewesen war, erhielt er 1954 einen Ruf an die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Dort machte er eine steile Karriere, wurde zum Professor ernannt und schließlich sogar zum Rektor der renommierten Universität gewählt. Wegen "politischer Unzuverlässigkeit" wurde er jedoch 1964 als Rektor abgesetzt. Auch seine Lehrtätigkeit beendete Heisig 1968 aus Protest. Acht Jahre später, 1976, kehrte er jedoch wieder zurück und war bis 1987 erneut als Rektor tätig. Unter seiner Amtszeit erwarb sich die Hochschule für Grafik und Buchkunst ihren Ruf als Institution für moderne Malerei.

Erst in den siebziger Jahren wurde Heisigs künstlerisches Wirken in der DDR anerkannt. Er hatte Ausstellungen in Leipzig, Dresden, Ost-Berlin und Frankfurt/Oder. 1986 wurde er auch in der Bundesrepublik bekannt, als er den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt für die Galerie der Altkanzler porträtierte.

Nach dem Ende der DDR gab Heisig seine DDR-Nationalpreise zurück und trat aus der SED aus. Wegen seiner staatstragenden Rolle in der DDR und weil er sich als Freiwilliger zur Waffen-SS gemeldet hatte, gab es zunächst Widerstand gegen den Auftrag, die Cafeteria des Bundestages im Berliner Reichstag auszugestalten. Nach langer Debatte schuf Heisig dann einen sechs Meter langen Geschichtsfries für den Raum. Im März 2005 eröffnete der damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD) eine Retrospektive im Museum der Bildenden Künste in Leipzig.