Der britische Maler Lucian Freud ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Wie seine Agentin mitteilte, starb er am Mittwoch "friedlich" in seinem Haus in London. Der Enkel des Psychoanalytikers Sigmund Freud, der sich in seinem Werk vor allem der Akt- und Porträtmalerei widmete, galt als einer der bedeutendsten britischen Künstler des 20. Jahrhunderts.

Freuds New Yorker Galerist William Acquavella teilte mit, der Maler sei nach kurzer Krankheit zu Hause in Notting Hill gestorben. "Er lebte, um zu malen, und er hat bis zu seinem Todestag gemalt, fernab vom Lärm der Kunstwelt", sagte Acquavella. Der Direktor der Londoner Tate Gallery, Nicholas Serota, würdigte die Vitalität und Intensität von Freuds Gemälden. Diese Qualität garantiere ihm einen "einzigartigen Platz im Pantheon der Kunst des späten 20. Jahrhunderts".

Lucian Freud wurde 1922 in Berlin geboren. Sein Vater Ernst Freud, ein Architekt, war der jüngste Sohn des Wiener Psychoanalytikers. Anfang der dreißiger Jahre floh die Familie vor den Nazis nach London, wo Lucian Freud die britische Staatsbürgerschaft erhielt. Er studierte an der Central School of Art sowie am Goldsmith's College in London. Zunächst beschäftigte sich der junge Maler mit dem Surrealismus. In den fünfziger-Jahren wandte er sich der Porträt- und Aktmalerei zu.

Die Werke Lucian Freuds erzielten am Kunstmarkt astronomische Summen. Sein Gemälde Benefits supervisor sleeping von 1995, das eine krankhaft fettleibige Frau auf einem Sofa zeigt, wurde 2008 für fast 34 Millionen Dollar verkauft. Käufer war der russische Milliardär Roman Abramowitsch.

Nur selten suchte sich Freud für seine Akte Menschen aus, die für ihre Schönheit berühmt waren. "Ich wünsche mir", sagte er, "dass meine Porträts sozusagen die Leute selbst sind, nicht nur deren äußere Erscheinung." Ausnahmen machte er bei den Models Kate Moss oder Jerry Hall. Auf viele Betrachter wirkten seine Aktporträts pornografisch, abstoßend oder sogar richtig hässlich. Berühmtheit erlangte unter anderen sein Porträt der Queen, das die Monarchin ernst und mit einer schweren Krone zeigt.

Mehr als 50 Jahre lang gehörte Lucian Freud zu den schillerndsten zeitgenössischen Künstlern, der mit seinem Privatleben viele Schlagzeilen machte. Gerüchten zufolge soll er Dutzende uneheliche Kinder und zahllose Affären gehabt haben. Er gab auch zu, oft in Schlägereien verwickelt gewesen zu sein.