Mit der Übergabe der Immobilie an die Stiftung Pfefferwerk erging die Auflage, die Gebäude denkmalgerecht mit einem professionellen Projektentwickler zu sanieren. Dies übernahm die Unternehmensgruppe Krebs. Klaus D. Krebs ist Architekt in zweiter Generation und hat vor dem Pfefferberg bereits Bauprojekte mit Mehrgenerationenhäusern und der Integration von Behinderten durchgeführt. Er nennt den Pfefferberg "soziokulturelles Zentrum". Am Anfang hätte es durchaus "Berührungsängste und Misstrauen" gegeben zwischen den früheren "Hausbesetzern" und ihm, dem "etablierten Unternehmer".

Eine andere Nutzung als eine soziale und kulturelle entspricht nicht dem Konzept des Pfefferbergs. Anfragen von Kinos, Supermärkten und einer Fastfood-Kette wurden abgelehnt. Auch reguläre Wohnnutzung ist nicht erlaubt; lediglich eine Dienstwohnung wurde zugelassen, und das Hostel Pfefferbett bietet Platz für 170 Gäste. Soweit es technisch möglich war, beließen die Architekten die Spuren der Zeit an den Gebäuden, Bombenschäden ebenso wie Schrägen, die von den Rampen zu den mehrstöckigen Ställen der Brauereipferde führten. Auch der fünf bis neun Meter hohe Tiefkeller, in dem früher das Bier gärte, wird nun ausgebaut.

Beworben hätte seine Unternehmensgruppe den Pfefferberg nie, sagt der Projektentwickler Krebs. Die Mieter und Käufer der Gebäude seien durch Mundpropaganda aufmerksam geworden. Das Architekturforum Aedes etwa erfuhr durch das Vitra Design Museum aus Weil am Rhein vom Pfefferberg. Das Designmuseum zog nie ein, Aedes aber brachte noch andere große Namen mit: Sie selbst informierten den dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson, der nun in Haus 2 und 3 mit seiner Manufaktur und seinem Institut für Raumexperimente residiert: Von außen wirkt das rote Klinkergebäude wie eine Burg, mit hohen Fenstern, einem Ecktürmchen und kleinen Zinnen an der Dachkante. Vor zehn Jahren organisierte Aedes die erste Ausstellung des chinesischen Künstlers Ai Wei Wei in Deutschland.

13.500 Quadratmeter, 21 Häuser, 164 Jahre wechselhafte Geschichte: Wie viele Nutzer und Besucher es heute pro Jahr auf den Pfefferberg zieht – in Restaurants, Ausstellungen und Clubs – kann Margitta Haertel nicht sagen. Sie ist Vorstandsvorsitzende der Stiftung Pfefferwerk , der die Immobilie Pfefferberg gehört.

Die Institutionen agieren autonom – und teilen doch viel, etwa das Engagement für interdisziplinäre Forschung und einen selbstgewählten Bildungsauftrag. Sowohl das Aedes Network Campus Berlin als auch das ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry sind eigenständige Forschungsstätten. Sie kooperieren häufig mit Universitäten, sowohl in Berlin als auch weltweit, sie fördern das Zusammentreffen internationaler Stipendiaten und öffnen ihre Räume immer wieder für öffentliche Diskussionen und Vorträge mit hochrangigen Wissenschaftlern.

Die Institutionen am Pfefferberg arbeiten international und interdisziplinär. "Englisch ist eine der wichtigen Sprachen des Pfefferberg", sagt Claudia Peppel, Koordinatorin des ICI Berlin, ein Kulturlabor mit Fokus auf wissenschaftlicher und künstlerischer Forschung. Die Stipendiaten kommen aus der ganzen Welt; sie arbeiten zusammen und initiieren eigene Workshops und Projekte. "Der Pfefferberg ist ein Vorreiter in der immer stärkeren Verquickung von Kunst, Politik und Wissenschaft", sagt Peppel. "Wir sind sehr dankbar, dass mehrere Institutionen hier am Pfefferberg ein ähnliches Publikum anziehen."

In Kürze werden noch mehr bekannte Namen im Pfefferberg einziehen: Der Architekt Sergej Tschoban baut an der Christinenstraße ein Museum für Architekturzeichnungen, und der Architekt Justus Pysall plant ein Büro- und Atelierhaus. Der chinesische Kunststar Ai Wei Wei sagte im Mai 2012 im Economist , er wolle in einem Pfefferberg-Keller sein Studio einrichten; bestätigen oder dementieren will das auf dem Pfefferberg allerdings niemand.

Sicher ist: Das BMW Guggenheim Lab zieht Anfang August weiter nach Mumbai. Der Pfefferberg aber bleibt. Und – da sind sich die Pfefferbergler sicher – sein Name wird an Exklusivität gewinnen.