Vor elf Jahren zerbarsten die Zwillingstürme des World Trade Centers in einer Staubwolke, als 19 Entführer, vornehmlich aus Saudi-Arabien, zwei Flugzeuge in die Wolkenkratzer steuerten. Nach dem ersten Schock entwickelte die Stadt New York ambitionierte Ideen zusammen mit der Staatsregierung und der Hafenbehörde Port Authority, der das Areal gehört. Dazu gehört ein siebenstöckiges, unterirdisches Museum, das an den Anschlag erinnern soll. Es ist Teil des städtebaulichen Plans von Daniel Libeskind, dessen Herzstück der so genannte Freedom Tower ist, der heute ein wenig schlichter als One World Trade Center firmiert.

Das One World Trade Center ist bereits so hoch wie die alten Twin Towers, an der Fassade wird gearbeitet, im Frühjahr 2014 soll es eröffnet werden. Das Museum aber, das das eigentliche Gedenken symbolisieren soll, ist zum politischen Zankapfel geworden. Am Wochenende berichtete die New York Times, das Museum werde mehr als eine Milliarde Dollar kosten. Nach einem Streit darüber, wer das bezahlt und wo das Geld herkommt, liege die Baustelle still. Und die Sammlung mit der "ganzen Geschichte von 9/11" sei in Buffalo und Santa Fe gelagert.

In diesem Jahr werden die Gedenkfeiern zum 11. September mehrere Nummern kleiner ausfallen als noch 2011, zum Zehnjährigen. Die Namen der Opfer werden zwar verlesen, aber Politiker sind diesmal nicht geladen, schon gar keine aus Washington. Sie wollen auch nicht kommen. Der herbstliche Veranstaltungsbetrieb der Stadt – Partys, Galas, Modewoche – summt an 9/11 vorbei.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der nur vier Monate nach dem Anschlag ins Amt kam, verbringt den Vorabend im deutschen Konsulat; auf einem Empfang zur Steuben Parade, wo er mit Bier und Bratwurst versorgt wird. Er spricht über die deutsch-amerikanische Freundschaft. Gibt es eine Einigung beim Museum? Kein Kommentar, sagt Bloomberg, bevor er in seine Limousine steigt. Er berät sich noch in dieser Nacht mit Mario Cuomo, dem Gouverneur von New York und dessen Amtskollegen Chris Christie aus New Jersey.

Hafenbehörde gegen Foundation

Den beiden Gouverneuren untersteht die Port Authority, die das Museum baut. Finanzieren und betreiben hingegen soll es die privatrechtliche September 11 Foundation, der wiederum Bloomberg vorsteht. Die Foundation aber hat erst einen Bruchteil der Bausumme an die Hafenbehörde weitergereicht, und die hat deshalb die Baustelle stillgelegt. Aus Sicht der Foundation allerdings ist die Port Authority im Verzug, die für die technische Infrastrukur verantwortlich ist. Zu allem Überfluss ist auch noch Cuomo persönlich Bloomberg gram, denn der hat ihn im vergangenen Jahr zum Zehnjährigen nicht reden lassen. Neulich fand die alljährliche Spendensammlung der Foundation im Wall-Street-Restaurant Cipriani statt, gesponsort von Pepsi Cola, durch das Programm führte der Fernsehkomiker Steven Colbert. Weder der Gouverneur noch der Vorstand der Port Authority tauchten auf.

Erst nach Mitternacht kommt Entwarnung aus Gouverneur Cuomos Büro, es gebe eine vorläufige Einigung. Ob der Kompromiss tragfähig ist, wird man sehen. Denn das Kernproblem, die immens gestiegenen Kosten, ist ungelöst. Neben einer Millliarde Dollar an Baukosten – Cuomo rechnet sogar mit 1,3 Milliarden – ist der laufende Betrieb mit 60 Millionen Dollar im Jahr veranschlagt. Beide Gouverneure möchten nicht, dass dafür ihre Steuerzahler zur Kasse gebeten werden, schon gar nicht soll die Port Authority Brückenzölle oder Flughafengebühren anheben. Das wäre unpopulär.

Die Foundation wiederum hatte ursprünglich nur mit 700 Million Dollar gerechnet; dort macht man die Port Authority für die Kostensteigerung verantwortlich. Bislang hat die Foundation 330 Millonen Dollar aus den Budgets beider Staaten und der Bundesregierung erhalten, 280 Millionen kamen von privaten Spendern. Dazu zählen neben Bloomberg auch allerlei Wall-Street-Größen, von JP Morgan bis Goldman, Sachs. Weitere 170 Millionen Dollar an Spenden hat die Foundation für den laufenden Betrieb eingeworben. Das ist beachtlich, aber nicht ausreichend. Nach dem Kompromiss von gestern Nacht wird die Foundation noch einige Millionen drauflegen, dafür wird die Port Authority den Bau wieder aufnehmen. Die Einigung schütze "Gebührenzahler und Steuerbürger vor Mehrkosten", sagte Cuomo. Aber lässt sich so das Museum fertigstellen?