Die Stadt Köln will ein Gemälde des österreichischen Malers Oskar Kokoschka an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim zurückgeben. Sie folgt damit der Empfehlung der beratenden Kommission zur NS-Raubkunst, heißt es in einer Mitteilung. Das berühmte Portrait Tilla Durieux , dessen Wert auf rund drei Millionen Euro geschätzt wird, befindet sich im Museum Ludwig. 

Direktor Philipp Kaiser teilte mit, das Museum wolle so bald wie möglich mit den Flechtheim-Erben reden, "um über Möglichkeiten zum Verbleib des Bildes in der Sammlung Haubrich im Museum Ludwig zu sprechen". Die Erben pochen allerdings auf die Rückgabe. "Es besteht für uns keine Veranlassung, mit der Stadt Köln im Nachhinein über eine andere Lösung zu sprechen, teilte ihr Anwalt mit.

Viereinhalb Jahre lang habe es die Gelegenheit für Gespräche gegeben, ohne die Kommission einzuschalten, sagte der Anwalt. Die Flechtheim-Erben seien aber bereit, mit der Stadt über die Rückgabe weiterer Werke zu sprechen – darunter Zeichnungen von Ernst Barlach und Paula Modersohn-Becker, die ebenfalls Teil der Sammlung Haubrich seien.

Seit 1946 im Besitz der Stadt Köln

Das Kokoschka-Bild befindet sich seit der Schenkung des Kölner Juristen und Kunstsammlers Josef Haubrich im Jahr 1946 in der städtischen Sammlung. Haubrich hatte das Bild nach Angaben der Stadt 1934 "in gutem Glauben" gekauft.

Der Rat der Stadt soll Ende April die Restitution des Bildes beschließen. Aus Sicht der Stadt Köln handelt es sich "wegen der unübersichtlichen Quellenlage um einen Einzelfall". Die Geschichte des Gemäldes sei nicht mehr lückenlos aufzuklären, teilte die Kommission mit. Es sei aber davon auszugehen, dass Flechtheim aufgrund seiner Verfolgung durch das NS-Regime gezwungen war, das Kunstwerk aufzugeben.

Köln hatte die Rückgabe zunächst abgelehnt, weil Flechtheim (1878-1937) bereits in der Spätphase der Weimarer Republik in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sei. Er habe das 1910 entstandene Gemälde als Sicherheit für Schulden eingesetzt, mit dem Verkauf seien diese später zum Teil getilgt worden.