Wo ist denn nun der Eingang? Kommt man zwischen den Bauschildern und Containern weiter, und will man sich überhaupt zwischen Townhouse-Rohbauten am windigen Rücken der Repräsentiermeile Unter den Linden durchzwängen? Man will. Und wer in den Torbogen einbiegt, steht dann auch schon vor der Holztür mit Klingelschild, hinter der ein dunkles Treppenhaus hinaufführt ans Licht. Jetzt erst wird klar, dass man es hier nicht mit einem der wuchtigen Feudalbauten der Umgebung zu tun hat. Nein, der Schinkel Pavillon ist ein exzentrischer Zwitter aus DDR-Moderne und Historismus, errichtet 1969. Und zufälligerweise der außergewöhnlichste Off-Space der gesamtdeutschen Kunstszene. Der Berliner Senat zeichnete ihn vor einigen Wochen mit dem Förderpreis für Projekträume aus, in Höhe von 30.000 Euro.

Später Ruhm für ein Gebäude, das im Garten des Kronprinzenpalais nach der Wende fast 20 Jahre brach lag. Bis 2007 der Rahmenbauer Stephan Landwehr kam. Mit einigen Gleichgesinnten mietete er es von der Stadt an und holte in Eigenregie angesagte Künstler in die Rotunde – Sylvie Fleury, Isa Genzken, Mike Kelley oder Thomas Scheibitz, der Deutschland schon auf der Biennale von Venedig vertrat.

Welcher Künstler will nicht dort ausstellen, wo Erich Honecker zum Cocktail bat? Dass der Showroom rundum aus Glas besteht, ist ein zusätzlicher Reiz, Neues zu entwerfen und dabei nicht gleich die dicken Mauern von Museen und Galerien mitzudenken. Und so drängen sich heute im spießigen SED-Parteitempel von einst zu jeder Eröffnung so viele Gäste, dass die Scheiben zu bersten drohen.

Der Popularität des Ausstellungsorts hat es sicher auch nicht geschadet, dass Landwehr parallel noch das Promi-Restaurant Grill Royal ins Leben gerufen hatte sowie die Society-Kantine Pauly Saal in der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule.

Schaut man sich all die Shopping-Arkaden und Entertainment-Meilen im historischen Stadtgebiet an, ist es dennoch keine Selbstverständlichkeit, dass der denkmalgeschützte Bau keinem Investoren wie Burger King zum Opfer gefallen ist. Das ist auch der Verdienst von Nina Pohl, die den Schinkel Pavillon 2010 übernommen hat: "Ich habe gespürt, dass das hier ein großartiger Ort ist, den man um jeden Preis für die Stadt erhalten muss – und für die Kunst", sagt die Fotokünstlerin.

Vor den Fenstern verzieren Kräne den Panoramablick auf Fernsehturm und Friedrichwerdersche Kirche. Im letzten Herbst hat Cyprien Gaillard, Gewinner des Preises der Nationalgalerie für Junge Kunst, vor der Tür ein Baggerballett veranstaltet. Überhaupt nutzen viele Künstler Performances und Neue Medien, um mit dem Raum zu spielen: So hat das Kollektiv Das Numen gerade das Grundsummen Berlins an mehreren Orten der Stadt seismografisch gemessen und per Bassverstärker auf die einzelnen Fenster übertragen – ein auf- und abschwellender Klang, der das Glas zum Zittern bringt wie U-Bahn-Donnern oder Regentrommeln.