2011 versteigerte das Auktionshaus Christie's in New York Andreas Gurskys Rhein II für 4,3 Millionen US-Dollar. Es war der höchste Preis, der jemals für ein Foto gezahlt wurde. Die Summe markierte eine Zeitenwende: Fotografie war in einem Markt angekommen, der lange Zeit von der Malerei dominiert wurde. Gemälde erzielen beim Verkauf in Galerien oder Ateliers und bei Auktionen zwar noch wesentlich höhere Summen. Doch die Preise für Fotoarbeiten steigen, und wer heute ein Bild eines jungen Fotografens kauft, könnte bald ein gefragtes Kunstwerk im Wohnzimmer hängen haben.

Fotografie ist nach der Einschätzung deutscher Galeristen die ökonomisch drittwichtigste Kunstgattung nach Malerei und Skulptur. In Berlin, wo rund 400 Galerien zu Hause sind, sehen die Kunsthändler sie sogar an zweiter Stelle. Eine Umfrage des Instituts für Strategieentwicklung (IFSE) im April bestätigt den wirtschaftlichen Erfolgskurs.

Und mit den Vermarktungsmöglichkeiten im Internet wird eine neue Klientel angesprochen, die für Kunst brennt, Geld hat und abseits traditioneller Strukturen in den Kunstmarkt einsteigen möchte.

Daniela Hinrichs hat sich von Armin Morbach porträtieren lassen – ein Auftrag, der ihre Rolle als Mäzenin widerspiegelt. © Armin Morbach

Auf diese Menschen setzt Daniela Hinrichs. Im April gründete die Sammlerin und Xing-Mitgründerin die Plattform DEAR Photography. Dort bietet sie Werke von zehn deutschen Fotokünstlern an, angewandte Arbeiten von Modefotografen wie Kristian Schuller oder Armin Morbach, aber auch freie künstlerische Arbeiten, zum Beispiel von Pepa Hristova oder Julian Röder. Der Modefotograf F.C. Gundlach, der Hinrichs Sammelleidenschaft entfacht hatte, berät sie bei der Auswahl der Künstler und ist auch selbst im Portfolio vertreten.

Kleine Auflagen mit drei bis sieben Abzügen garantieren die Exklusivität der Werke, mit Preisen ab 1.300 Euro sind sie auch für Einsteiger interessant. Das teuerste Bild kostet 22.500 Euro. Sie kenne viele Leute, die noch nie Kunst gekauft hätten und sie um Rat bäten, dann aber gleich 20.000 Euro ausgäben, erzählt Hinrichs. Ihre Künstler nimmt sie unter die Fittiche, macht Öffentlichkeitsarbeit für sie und beteiligt sie mit 70 Prozent am Gewinn. In den meisten Galerien bekommen Künstler rund 50 Prozent.

Wenige Künstler können ihre Werke verkaufen

Hinrichs versteht sich nicht als Investorin, sondern als Kunstliebhaberin. Die Sammler, mit denen sie zu tun habe, seien ebenfalls nicht vorrangig an Wertsteigerung interessiert. "Der Return on Investment ist die Freude am Bild", sagt Hinrichs. Dass sie jetzt selbst mit Kunst handle, läge vor allem an dem Wunsch, Künstlern bei der Vermarktung zu helfen. Als Sammlerin habe sie in persönlichen Gesprächen immer wieder von den großen wirtschaftlichen Problemen der Künstler erfahren.

Das durchschnittliche Jahreseinkommen bildender Künstler in Deutschland lag 2012 bei knapp über 14.000 Euro, unter 30-Jährige verdienen gerade mal 11.500 Euro. Vom Verkauf ihrer Werke können nur die wenigsten leben. Der Rest ist auf Stipendien und Nebenjobs angewiesen, manche machen Auftragsarbeiten für Magazine und die Werbebranche.