Eine passende Galerie hat Hristova noch nicht gefunden. Es komme ihr auf die persönliche Zusammenarbeit an, sagt sie. Bei Lumas würde sie so viel Aufmerksamkeit wahrscheinlich nicht erfahren, dafür aber jede Menge Abzüge verkaufen. Vor zehn Jahren fingen die Sammler Stefanie Harig und Marc Ullrich an, Prints günstig zu verkaufen. Möglich machen das bis heute hohe Auflagen: 75, 150 oder auch unendlich mal werden die Fotos abgezogen. Manche sind schon für unter 100 Euro zu haben.

Die Umsätze steigen seit Jahren, 2012 erwirtschaftete Lumas nach eigenen Angaben 16,7 Millionen Euro, ein Drittel davon wurde mit dem Onlinehandel erzielt. Rund 160 Künstler sind heute dort unter Vertrag. Wie viel diese verdienen, will Lumas nicht verraten. Man könne die Fotografen nicht mit den üblichen 50 Prozent beteiligen, sagt Pressesprecher Jan Seewald, denn es hinge ein viel größerer Apparat an dem Unternehmen als an traditionellen Galerien. Damit sorge man unter anderem für die Bekanntmachung der Künstler.

Die Auflagenzahl ist ein sensibles Thema auf dem Fotografiemarkt. Erst die Limitierung der Abzüge ermöglichte es dem technisch reproduzierbaren Medium, mit anderen Kunstformen zu konkurrieren. An sich ist das Prinzip Edition – Kunstwerke, die es mehr als einmal gibt und die dadurch günstiger zu haben sind – nichts Ungewöhnliches, sondern im Kunsthandel schon seit den sechziger Jahren üblich. Damals waren etwa handsignierte Drucke von Gerhard Richter plötzlich für einen Bruchteil des Preises zu haben, den man für ein Unikat hätte hinlegen müssen.

Viele Kunstvereine und Magazine finanzieren sich über den Verkauf von signierten und nummerierten Editionen in höheren Auflagen. Auch im Fotografiemarkt lohnt es sich, nach solchen Editionen Ausschau zu halten. Beim Berliner Onlinemagazin Index kann man einen von 25 Prints einer Edition von Tobias Zielony schon für 550 Euro kaufen.

Wichtiger als der Umsatz ist vielen Künstlern der Kontext, in dem sie sich präsentieren. "Kunst funktioniert als Teil eines größeren Diskurses", sagt Zielony. Bei Lumas fehle ihm die Auseinandersetzung. Ungünstig ist es für Künstler auch, wenn ihre Werke für immer in den Wohnzimmern der Käufer verschwinden. Sammler übernehmen Verantwortung: Sie müssen Werke pflegen und sie eventuell auch an Ausstellungen und Museen verleihen.

Von Gurskys Rhein II kursieren sechs Abzüge in verschiedenen Größen. Zu den Besitzern zählen die Tate Modern in London, das Museum of Modern Art in New York und die Pinakothek der Moderne in München. Den Abzug, der Auktionsgeschichte schrieb, hatte ein anonymer Sammler zuvor bei einer Kölner Galerie erworben und ihn dann mit Gewinn versteigern lassen. Mit Liebhaberei hatte das weniger zu tun. Vielmehr mit knallharter Spekulation.