So half Gurlitt etwa dem Schokoladenfabrikanten Bernhard Sprengel und seiner Frau Margrit, als sie nach dem Besuch der Ausstellung "Entartete Kunst" in München 1937 beschlossen, gerade die Werke zu sammeln, die das NS-Regime für brave Arier als pervers diffamieren wollte. Unter den fast 600 Kunstwerken der Sammlung Sprengel befindet sich auch das Aquarell Marschlandschaft mit rotem Windrad von Karl Schmidt-Rottluff. Als Vorbesitzer gilt der jüdische Bettfedernfabrikant Max Rüdenberg, in Hannover ansässig wie die Sprengels. Er wurde 1942 mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert.

Der jetzt bekannt gewordene Fund von rund 1.500 Gemälden bei Gurlitts Sohn in München deutet darauf hin, dass solche Geschäfte kein Einzelfall waren. Viele der Bilder stammen aus Sammlungen, die Juden unter Druck verkaufen mussten oder als geraubt meldeten.

Der "Chefeinkäufer für Hitlers erträumtes Führermuseum in Linz", wie es der Focus schreibt, war Gurlitt allerdings nicht. Diese Aufgabe hatten die beiden damaligen Direktoren der Dresdner Gemäldegalerie inne, Hans Posse und später Hermann Voss. Sie sollte im Rahmen des "Sonderauftrags Linz" Kunstwerke für ein Museum zu Ehren Adolf Hitlers zusammentragen, zusammengeraubt in den besetzten Gebieten und von jüdischen Vorbesitzern.

Gurlitt galt als "entnazifiziert"

Gurlitt, selbst Dresdner, kannte Voss und machte Geschäfte mit ihm. 179 Mal taucht der Name Gurlitt in der Datenbank auf, die das Deutsche Historische Museum über den "Sonderauftrag Linz" zusammengestellt hat. Allerdings handelte auch Wolfgang Gurlitt mit Bildern für das "Führermuseum".

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hildebrand Gurlitt erfolgreich "entnazifiziert": Er habe nie einer Organisation des NS-Regimes angehört und sei wegen seines Eintretens für die Klassische Moderne und seiner jüdischen Wurzeln selbst verfolgt worden. Mit seinen Geschäften als Händler habe er Künstlern und Juden geholfen.

Kurzzeitig leitete Gurlitt in Düsseldorf den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen. Dass er über die Wege Bescheid wusste, die Raubkunstwerke in den NS-Jahren genommen hatten, dürfte ihm durchaus genutzt haben. 1956 starb er bei einem Verkehrsunfall.

Die "entarteten" Bilder in seinem Besitz, gab seine Witwe an, seien verbrannt, als die Bomben der Alliierten im Februar 1945 Dresden trafen. Jetzt sind sie offenbar wieder aufgetaucht – und werfen ein neues Licht auf den, der sie zusammentrug.