Der Münchner Kunstsammler Cornelius Gurlitt hat nach Angaben der Behörden bislang keinen Termin zur Übergabe seiner Bilder vereinbaren wollen. "Es ist so, dass sich der Beschuldigte bislang nicht bereit erklärt hat", sagte der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz. Die Behörden hätten den Kontakt zu ihm "über einen bestimmten Zeitraum gepflegt".

Auch für die Taskforce Schwabinger Kunstfund war Gurlitt bislang nicht zu erreichen. "Für ein Gespräch braucht man einen Gesprächspartner", sagte die Leiterin der Expertengruppe, Ingeborg Berggreen-Merkel. Sie habe versucht, ihn zu erreichen. "Es ist mir aber bislang nicht gelungen."

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte vor einer Woche mitgeteilt, Gurlitt solle etwa 300 Bilder seiner Sammlung zurückerhalten, die ihm zweifelsfrei gehören. Das sind nach Angaben von Bayerns Justizminister Winfried Bausback ( CSU ) Bilder, die Mitglieder der Familie Gurlitt selbst angefertigt haben oder die erst nach 1945, nach dem Ende des Nazi-Regimes, entstanden sind. Insgesamt umfasste die bei ihm vom Zoll beschlagnahmte Sammlung  – je nach Zählweise – 1.406 oder 1.280 Werke. 

Am Morgen hatte der Kunstausschuss des bayerischen Landtages sich mit der Angelegnheit befasst. Justizminister Bausback erstattete den Abgeordneten umfassend Bericht. Er kritisierte zudem schwere Mängel im Umgang der Behörden – auch seiner eigenen – mit dem spektakulären Fund.

So hatten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die nach Angaben Bausbacks früh in die Ermittlungen eingebunden waren, das Kunstministerium nicht informiert. Fünf Berichte über die Bildersammlung seien im Justizministerium angekommen. Einige davon wurden nach Angaben Bausbacks sogar von dem persönlichen Referenten seiner Amtsvorgängerin Beate Merk (CSU) abgezeichnet – ohne dass die Chefin etwas davon erfuhr. Merk und ihr Nachfolger erfuhren nach eigenen Angaben erst aus den Medien von dem Fund. 

Auch eine amerikanische Expertin

Für Bausback ein Grund, aufzuräumen in seinem Haus: Künftig solle es eine regelmäßige Besprechung über wichtige laufende Verfahren geben.

Die Aufarbeitung des Falls sei viel zu langsam in Gang gekommen, kritisierte Bausback. Mehr als ein Jahr lang nur eine einzige Expertin mit der Begutachtung der Bilder zu beauftragen, sei deutlich zu wenig gewesen. "Bund und Länder hätten hier früher mehr Experten an die Provenienzrecherche (die Ermittlung der Herkunft, d. Red.) setzen müssen, um in kurzer Zeit zu validen Ergebnissen zu kommen." Die inzwischen eingesetzte Taskforce soll voraussichtlich aus acht bis zehn Experten bestehen – zusätzlich zu einem "breiten Unterbau", wie Taskforce-Chefin Berggreen-Merkel betonte. Voraussichtlich soll auch eine US-amerikanische Expertin Teil der Gruppe werden.

Bausback wiederholte seine Forderung, die Gesetzesgrundlagen für die Rückgabe von NS-Raubkunst zu ändern. In einer Bundesratsinitiative, die sein Ministerium gerade vorbereite, wolle er aufzeigen, "wo und wie es geht".

Zollfahnder hatten Anfang November die Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung sichergestellt . Die Ermittler hatten Verdacht geschöpft, weil sie ihn in einem Zug mit 9.000 Euro Bargeld erwischten.

Unter den Werken sind Bilder von Pablo Picasso , Marc Chagall , Henri Matisse, Emil Nolde , Franz Marc , Max Beckmann , Max Liebermann , Carl Spitzweg und Otto Dix . Bei einigen Gemälden soll es sich um Raubkunst handeln. In der Online-Datenbank lostart.de wurde eine Liste der Werke veröffentlicht.