Der sensationelle Kunstfund in München bleibt voller Rätsel. Wem die Bilder ursprünglich gehörten, wie sie in den Besitz des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt kamen – all das ist auch nach der Pressekonferenz der Augsburger Staatsanwaltschaft und der Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann offen . Nun werfen weitere Erkenntnisse neue Fragen auf: So berichtet die Süddeutsche Zeitung , dass einige der aufgetauchten Kunstwerke nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten beschlagnahmt und zwischen 1945 und 1950 verwahrt worden waren. 

Das geht aus Dokumenten aus dem National Archives in Washington hervor. Dabei handelt es sich um Protokolle, die die Alliierten von Befragungen des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt zu dessen Rolle im Dritten Reich angefertigt hatten.

Eine an diese Protokolle angehängte Liste gibt Auskunft über Gurlitts mehr als hundert Einzelwerke umfassende Privatsammlung, die zu diesem Zeitpunkt in einer Wiesbadener US-Sammelstelle eingelagert war. Darauf eingetragen sind auch einige der am Dienstag in Augsburg präsentierten Werke, darunter das bislang unbekannte Selbstbildnis von Otto Dix und das Gemälde Zwei Reiter am Strand von Max Liebermann sowie die Gouache von Marc Chagall .

Hildebrand Gurlitt forderte die Werke mit Erfolg von den Alliierten zurück. Bis auf zwei Bilder sei ihm seine angebliche Privatsammlung 1950 zurückgegeben worden.

Das Dix-Selbstporträt gehört zu den 1.401 Bildern, die in der Münchner Wohnung des Kunsthändler-Sohns Cornelius Gurlitt entdeckt wurden, gegen den nun wegen des Verdachts der Unterschlagung und Steuerhinterziehung ermittelt wird. Unter den Kunstwerken befinden sich laut der Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann auch bislang unbekannte Meisterwerke von Picasso, Dürer, Renoir und Toulouse-Lautrec. Ein Teil davon scheint Nazi-Raubkunst zu sein, darunter Werke des Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus und des Kubismus, ein weiterer Teil stammt aus Museen, von deren Beständen die Nationalsozialisten als "entartet" stigmatisierte Kunst beschlagnahmten.