Der Berliner Rechtsanwalt und Kunstexperte Peter Raue hat einen Deal mit dem 79-jährigen Münchner Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt vorgeschlagen. "Er überlässt die Werke dem Staat und geht dafür straffrei aus", sagte er dem Tagesspiegel . "Das würde die Rückgabe an berechtigte jüdische Familien oder Museen erheblich vereinfachen." Allerdings sei die Frage, inwiefern die in Gurlitts Wohnung beschlagnahmten etwa 1.400 Kunstwerke wirklich ihm gehörten. Gegen Gurlitt ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg wegen Unterschlagung und wegen Steuerdelikten.

Die Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken stammen offenbar aus dem Nachlass seines Vaters, dem Dresdner Kunsthändler Hildebrand Gurlitt . Er sollte die von den Nazis als "entartet" stigmatisierte Kunst im Auftrag der NS-Führung zu Geld machen. Es handelte sich um Arbeiten unter anderem von Liebermann, Beckmann, Dix, Kokoschka, Toulouse-Lautrec, Macke, Marc, Nolde, Kirchner, Picasso, Spitzweg, Chagall, Renoir, Courbet, Matisse und Dürer.  

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte Gurlitts Witwe behauptet, die von ihrem Mann verwahrten Bilder seien zerstört worden. Die Falschaussage flog auf, als der Sohn Cornelius dem Zoll 2011 wegen einer hohen Bargeldsumme auffiel. Weitere Nachforschungen führten zu der Schwabinger Wohnung.

Nachdrücklich forderte der Rechtsanwalt Raue, die Bilder online zu veröffentlichen. Nur so könne man sie den Eigentümern zuordnen. Zudem habe der Staat laut Grundgesetz eine Informationspflicht gegenüber den Bürgern, sagte er. Mit dem Washingtoner Abkommen von 1998 habe sich Deutschland verpflichtet, alles zu tun, um den jüdischen Familien das Auffinden ihres Eigentums zu ermöglichen.

Die zuständige Staatsanwaltschaft Augsburg lehnt trotz internationalen Drucks die Veröffentlichung der Werkliste bisher ab. "Wer die Herkunft von über 1.400 Bildern selber recherchieren will, braucht bei optimistisch geschätzten zehn Tagen pro Werk 40 Jahre", sagte Raue.