Ein Großteil der Kunstwerke, die heute im Besitz des Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt sind, gehören diesem nach Einschätzung des Zollkriminalamts (ZKA) rechtmäßig. Das geht aus einem ZKA-Bericht an das Bundesfinanzministerium hervor, aus dem Focus und Bild am Sonntag zitierten. Das gilt für die Bilder, die im Dritten Reich von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden.

315 Kunstwerke stammen laut dem ZKA-Bericht "ausschließlich aus staatlichen und städtischen Museen bzw. Landesmuseen". So dürften "Rückgabe/Restitutionsansprüche der ehemaligen Eigentümer nicht durchsetzbar sein", heißt es weiter. Museen werden nach Einschätzung der Ermittler demnach keine Bilder aus Gurlitts Sammlung zurückerhalten.

Einige der jüdischen Erben können jedoch darauf hoffen, die Werke zurückzubekommen, die sich einst in Familienbesitz befanden. Beispielsweise befanden sich laut dem Bericht des Focus in Gurlitts Wohnung 181 Bilder, die mit "großer Wahrscheinlichkeit" einem jüdischen Sammler in Dresden gehört haben, der sie vor seiner Flucht unter dem Druck des NS-Regimes verkauft hatte. Die Erben des Sammlers hätten nach Einschätzung des Zolls Anspruch auf Rückgabe der Werke. Das gelte auch für mindestens 13 Bilder aus Gurlitts Wohnung, die durch Erpressung der jüdischen Eigentümer in die Hände von NS-Organisationen gerieten.

Laut Bild am Sonntag hatte Gurlitts im Jahr 1956 gestorbener Vater, der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt , dem Propagandaministerium im Jahr 1940 gut 200 "entartete" Kunstwerke für 4.000 Schweizer Franken abgekauft – darunter Bauernfamilie von Pablo Picasso , Spaziergang von Marc Chagall und Hamburger Hafen von Emil Nolde . 1941 habe er dem Staat dann weitere 115 Werke "entarteter Kunst" abgekauft.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt derweil gegen den 79-jährigen Cornelius Gurlitt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Unterschlagung. Im Februar 2012 hatten Ermittler in seiner Wohnung in München bei einer Razzia 1.406 Bilder beschlagnahmt. Laut dem Nachrichtenmagazin Focus wurden auch Hildebrand Gurlitts Geschäftsbücher konfisziert. Darin seien die Namen jüdischer Sammler vermerkt, denen er Bilder zumeist für Spottpreise abgekauft habe. Dies war erst in der vergangenen Woche bekannt geworden.   

Cornelius Gurlitt, der seit Bekanntwerden des Kunstschatzes in seiner Wohnung verschwunden war, lebt einem Spiegel -Bericht zufolge auch weiterhin in seiner Münchener Wohnung. Bisher hatte er sich zu Interviewanfragen nicht geäußert und laut Augsburger Staatsanwaltschaft sei man nicht sicher gewesen, ob Gurlitt noch lebe. Nun machten ihn zwei Reporter der Pariser Illustrierten Paris Match beim Einkaufen ausfindig.