Der Umgang der bayerischen Behörden mit dem Münchner Kunstfund hat international Kritik ausgelöst. Die Vorsitzende des Zentralregisters für Raub- und Beutekunst der Jahre 1933-1945 in London forderte eine schnelle Veröffentlichung einer vollständigen Liste der Werke: Anne Webber von der Commission for Looted Art in Europe sagte, die Bundesregierung müsse eingreifen.

Zudem müsse ein Verfahren eingerichtet werden, das es den "rechtmäßigen Besitzern der Werke" ermögliche, sie s chnell zurückzubekommen , sagte Webber. Seit Bekanntwerden des Fundes werde das Register mit Anfragen nach Informationen überflutet: "Die ganze Welt blickt auf Deutschland."

Auch in Deutschland wird eine schnelle Veröffentlichung der mehr als 1.400 Werke gefordert. Sowohl die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden als auch das Wuppertaler Von der Heydt-Museum kritisierten die Geheimhaltung der Kunstwerke. Beide Museen vermuten Werke aus ihrem einstigen Bestand darunter.

Dresden vermisst rund 50 Gemälde

Die Kunstsammlungen vermissen seit der Nazi-Aktion "Entartete Kunst " im Jahr 1937 rund 50 Gemälde sowie 300 bis 400 grafische Blätter. Viele der gut 1.400 Stücke, die bei dem 79-jährigen Cornelius Gurlitt sichergestellt wurden, sind Werke der klassischen Moderne, die von den Nazis diffamiert und beschlagnahmt wurden. Gurlitts aus Dresden stammender Vater Hildebrand Gurlitt (1895-1956) zählte zu Hitlers Kunsthändlern. Er hatte den Auftrag, von den Nazis als entartet diffamierte Kunst im Ausland zu verkaufen oder einzutauschen.

Das Essener Museum Folkwang hat ebenfalls eine "begründete Vermutung", dass sich unter den Münchner Bildern Werke aus ihrem einstigen Bestand befinden könnten.

Mannheim prüft Rückgabe eines Kirchner-Werks

Die Stadt Mannheim prüft, ob sie das Werk Melancholisches Mädchen von Ernst Ludwig Kirchner zurückfordern kann . Der Farbholzschnitt sei von den Nazis 1937 beschlagnahmt worden und galt als verschollen, bestätigte die Direktorin der Kunsthalle Mannheim, Ulrike Lorenz, einen Bericht des Südwestrundfunks (SWR).

Zollfahnder hatten die Sammlung, darunter unbekannte Arbeiten berühmter Künstler wie Otto Dix oder Marc Chagall, im Frühjahr 2012 in der Wohnung des Kunsthändler-Sohns Cornelius Gurlitt entdeckt, dies aber erst jetzt publik gemacht . Seitdem halten die Behörden die Bilder unter Verschluss.