Kunst - Zu Besuch bei Ai Weiwei

Ai Weiwei ist der wohl bekannteste lebende Chinese. Am 3. April 2014 präsentiert der Martin-Gropius-Bau in Berlin eine große Werkschau des Künstlers. Er selbst wird wohl nicht kommen können, weil ihm sein Pass abgenommen wurde.

Für das ZEITmagazin hat Ai Weiwei nun eine ganze Ausgabe gestaltet. Darin finden sich Bilder von seiner Kunst, Fotos von ihm und seinem 4-jährigen Sohn am Strand und mit einer Pappfigur von Angela Merkel.

Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITmagazins, hat Ai Weiwei in der Fabrikhalle im Norden Pekings getroffen, wo die Kunstwerke für die Berliner Ausstellung produziert wurden. Gemeinsam liefen sie über die 6.000 Hocker, die Ai Weiwei zu einer großen Holzfläche aneinander gereiht hat. 

Es ist nicht nur ein Spaziergang über Möbelstücke, sondern ein Gang durch die chinesische Geschichte. Einige der Hocker stammen noch aus der Zeit der Ming-Dynastie. Sie wurden von ihren Besitzern zurückgelassen, als diese in die Städte wegzogen. Und sich lieber moderne Plastikstühle kauften. "Die Hocker sind verlassene Objekte", sagt Ai Weiwei. "Sie zeigen, was wir haben und was wir verloren haben."

Dieses Kunstwerk zeigt ganz besonders, dass der Künstler mehr ein Bewahrer denn ein Revolutionär ist. Er will seine Landsleute davor bewahren, ihre Wurzeln auf dem Weg in die Zukunft zu verlieren.

Das von Ai Weiwei gestaltete ZEITmagazin erscheint am Donnerstag, 20.3., und liegt der gedruckten ZEIT bei.