Henri Matisses Gemälde Sitzende Frau aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt ist Raubkunst. Zu dieser Einschätzung kam die Taskforce Schwabinger Kunstfund. "Auch wenn nicht mit letzter Sicherheit dokumentiert werden konnte, unter welchen Umständen Hildebrand Gurlitt in den Besitz des Werkes gekommen ist, so kommt die Taskforce zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Werk um NS-Raubkunst aus dem rechtmäßigen Eigentum der Sammlung von Paul Rosenberg handelt", sagte die Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel in einer Mitteilung.

Das Gemälde Sitzende Frau befand sich zeitweise in der Sammlung des führenden Nazi-Politikers Hermann Göring.

Wann die Familie Rosenberg das Bild zurückerhält, ist unklar. Das Kunstmuseum Bern hat noch nicht entschieden, ob es die Sammlung übernehmen wird. Der Anfang Mai verstorbene Gurlitt hatte das Museum als Haupterbe eingesetzt. "Tritt das Kunstmuseum das Erbe an, wird es die Erben restituieren müssen", sagt Matthias Henkel, Sprecher der Taskforce.

Gurlitt und seine Anwälte hatten vor dem Tod des Kunstsammlers mit den Erben Rosenbergs verhandelt. Das Gemälde wurde jedoch nicht übergeben, da sich Anfang April ein weiterer Anspruchsteller gemeldet hatte und das Bild zurückforderte. "Vor diesem Hintergrund bin ich rechtlich verpflichtet, vor Herausgabe des Bildes erst die Ansprüche des neuen Anspruchstellers zu prüfen", sagte Gurlitts Anwalt, Christoph Edel, damals.

Gurlitts Anwälte hatten zuvor, Ende März, die Absicht bekanntgegeben, mit Rosenbergs Enkelinnen, Marianne Rosenberg und Anne Sinclair, eine Vereinbarung zu unterschreiben. Die Augsburger Staatsanwaltschaft, die im Besitz des Bildes war, seitdem Gurlitts Sammlung beschlagnahmt wurde, hatte damals angedeutet, einer Einigung zuzustimmen.