Sean Penn, wie er zuschlägt. Britney Spears, die ohne Unterhose aus einem Auto steigt. Jack Nicholson, der dem Fotografen seinen Hintern zeigt. Die Schau Paparazzi! Fotografen, Stars und Künstler ist nicht nur ein Vergnügen für alle, die ihre Blicke am Bahnhof gerne in Klatsch-Magazine versenken. Sie dokumentiert fast ein Jahrhundert Zeitgeschichte, in der das Bild nach und nach den Text ersetzt und das Bedürfnis nach Privatheit das Politische ersetzt. 

Da hängt zum Beispiel das Foto der weinenden Paris Hilton in ihrem Auto (2007). Die 26-Jährige ist gerade zur Haft wegen Trunkenheit am Steuer verurteilt worden. Geschossen hat das Bild der Fotograf Nick Ut. Genau 35 Jahre, nachdem er im Vietnamkrieg die vor einem Napalmangriff fliehende Kim Phuc fotografierte. Das Bild vom 8. Juni 1972 wird zum Symbol der Vietnamkriegsgegner. Ut erhält den Pulitzer-Preis dafür. Viel mehr Geld verdient er aber viele Jahre später mit dem Bild des in Tränen aufgelösten It-Girls. Aus dem angesehenen Kriegsreporter, der sein Leben für ein Bild mit politischer Aussage riskierte, ist ein Paparazzo geworden. 

Dem Paparazzo, der Prominente ohne ihre Zustimmung fotografiert und damit sein Geld verdient, ist die Ausstellung gewidmet. Er wird nicht idealisiert. Sondern im ersten, mit "Fotografen" betitelten Teil erst mal selbst ausgestellt. In den absurdesten Positionen. Im Baum versteckt, in Räuberleiter-Positur an einer Mauer, protestierend vor Brigitte Bardots Haus, die mit Paparazzi nichts zu tun haben will.

Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild © Centre Pompidou, Musée National d’Art Moderne, Paris/​Schirn

Der zweite Teil zeigt die Stars selbst. Sechs berühmte Frauen stehen exemplarisch für eine bestimmte Ära des Starkults. Liz Taylor, Brigitte Bardot, Jackie Onassis, Prinzessin Diana, Britney Spears und Paris Hilton. Ein Muster ist zumindest in diesen sechs Fällen erkennbar: Die Paparazzi, fast immer Männer, dringen mit dem Teleobjektiv, das eine phallische Anmutung besitzt, in die Privatsphäre der Frauen ein. 

So zeigt die Schau etwa Bilder der nackten Jackie Onassis im Urlaub auf Skorpios (1972). Gemacht hat sie der Paparazzo Settimio Garritano, der Onassis zuvor drei Jahre verfolgt hat. Die US-Zeitschrift The Hustler verkauft mit diesen Bildern eine Million Exemplare. Die Fotos stehen für eine ganz andere Zeit als jene von Paris Hilton, die bekannt wurde, indem sie selbst ein pornografisches Video von sich online stellte.

Den Begriff Paparazzo soll Federico Fellini 1959 bei den Dreharbeiten zu La Dolce Vita geprägt haben. Rom war damals ein Zentrum der europäischen Stars, die Drehstadt Cinecittà ihre Zentrale. In den Zeitschriften sah man damals nur inszenierte Bilder, die Paparazzi-Fotos zeigten Stars erstmals als normale Menschen, mit Fehlern und moralischem Versagen. 

Berühmte Beispiele, die in der Ausstellung zu sehen sind: Sarah Ferguson, wie sie sich von ihrem Finanzberater am Pool die Zehen abschlecken lässt (1992). Oder Mazarine Pingeot, die uneheliche Tochter des französischen Präsidenten François Mitterand (1994).