Wie aus szenenahen Quellen bekannt wurde, liegt Upcycling voll im Trend. Wer in urbanen Ballungsräumen etwas auf sich hält, der hängt sich eine Lampe aus gebrauchten PET-Flaschen ins Wohnzimmer, besorgt sich auf den einschlägigen Handarbeitsportalen einen alugrauen Häkelbeutel aus Getränkedosennupsis und trägt sowieso nur noch Pullis die von fair behandelten Kindern in Bangladesch aus geschredderter Bläschenfolie gestrickt wurden. Auf alten Autoreifen an den Fußsohlen lässt es sich wunderbar in Kunstgalerien rumstehen, erzählt man sich in Berlin-Mitte.

Dieses Upcycling, also die Wiedereinführung von Abfall in eine höhere Stufe der Verwertungskette, ist eine tolle Sache. Modisch bisweilen, ökologisch meistens, anarchisch fast immer. Denn der Upcycler interessiert sich nur für den Rohstoff, nicht für den Kontext. Mit gesunder Respektlosigkeit geht er zu Werke. Er fragt nicht, ob es Kunst ist. Er will nur wissen, ob es weg kann.

Ein aktueller Fall des Upcyclings zeigt nun, wie sich das Bewusstsein des Menschen in den vergangenen 30 Jahren (trotz postmoderner Entleerung) weiterentwickelt hat. Als der Hausmeister der Düsseldorfer Kunstakademie 1986 die berühmte Fettecke von Joseph Beuys wegwischte, dachte er nicht einmal dran, aus der schönen Margarine noch etwas zu formen. Heute hingegen agiert man ressourcensparend.

Das letzte Fett, das damals vor dem Mopp gerettet werden konnte, immerhin zwei Kilogramm insgesamt, hat eine neue Stufe der Spiritualität erreicht. Unter Anleitung des Bremer Kunsthochschulprofessors Markus Löffler wurde es zu 80-prozentigem Alkohol destilliert und dann auf trinkfähige 50 Prozent herunterverdünnt. Beuys' Geist ist nun in vier Litern gelöst. Der Schnaps kommt ein bisschen käsig daher, geben die Akademiker zu. Das Publikum der Kunst-Quadriennale in Düsseldorf durfte am Dienstag kosten. Eine feine Parmesannote sei nicht zu leugnen. 

Wirklich, eine super Sache, dieses Upcycling. Stellt sich nur die Frage, ob das denn auch alles schön nachhaltig ist. Immerhin wissen wir, dass sich die fluide Fettecke und damit die Idee des Künstlers an Hüften und Bäuchen festsetzen wird. Und von den Kopfschmerzen hat man wohl auch länger was.