Das Kunstmuseum Bern ist rechtmäßiger Erbe der millionenschweren Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt. Das Amtsgericht München hat den Antrag der Gurlitt-Cousine Uta Werner auf einen Erbschein abgelehnt. In seinem Testament hatte Gurlitt das Kunstmuseum Bern als Alleinerben angegeben. Das Gericht hält das Testament für wirksam. "Dem Einwand der Cousine, dass der Erblasser Cornelius Gurlitt zum Zeitpunkt der Testamentserstellung testierunfähig gewesen sei, folgte das Gericht nicht," hieß es in der Mitteilung. Das Gericht stütze seine Begründung auf die Interpretation zweier vorliegender psychiatrischer Gutachten über den Kunstsammler.

Werners Anwälte kündigten an, die Begründung des Gerichts prüfen und dann entscheiden zu wollen, ob Rechtsmittel eingelegt werden. Dafür bleibt Uta Werner ein Monat Zeit. Der Erbschein für das Museum kann erst ausgestellt werden, wenn die Entscheidung rechtskräftig ist.

Cornelius Gurlitt war der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt. Mit seiner Sammlung von mehr als 1.500 Bildern in München und Salzburg stand er vor einem Jahr im Zentrum einer Debatte um Nazi-Raubkunst. Als er sein komplettes Vermögen in seinem Testament dem Museum Bern zusagte, stand er bereits unter Betreuung. Für das Museum kam die Erbschaft überraschend, es hatte vorher keinen Kontakt zu Gurlitt. Im Mai 2014 starb Gurlitt nach schwerer Krankheit.

Laut einer Vereinbarung zwischen Deutschland und dem Kunstmuseum Bern liegt der Teil der Sammlung, die unter Raubkunst-Verdacht versteht, in der Verantwortung der Bundesregierung. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat bereits Verträge für die Rückgabe von zwei Bildern unterschrieben, die als Nazi-Raubkunst identifiziert wurden: die Sitzende Frau von Henri Matisse und Zwei Reiter am Strand von Max Liebermann. Der Matisse soll an die Erben des jüdischen Kunstsammlers Paul Rosenberg gehen, Zwei Reiter am Strand ebenfalls an den Nachkommen eines jüdischen Besitzers.