Der renommierte britische Turner-Preis für moderne Kunst geht in diesem Jahr an Helen Marten. Die 31-jährige Künstlerin aus dem Nordwesten Englands überzeugte die Jury mit Skulpturen, die aus alltäglichen Gegenständen gemacht sind. Dazu gehören unter anderem Münzen, Wattestäbchen und Schüsseln. 

Marten leiste einen "außergewöhnlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der bildenden Künste", urteilte die Jury bei der Preisverleihung am Montagabend im Londoner Museum Tate Britain. Die Künstlerin erschaffe "poetische, visuelle Puzzles", welche die Komplexität und Herausforderungen der Gegenwart widerspiegelten. Die Tate Britain beschreibt ihre Arbeit als "herausragend in der außergewöhnlichen Bandbreite an Material und Form". Marten lasse "bekannte Dinge erscheinen, als würde man sie zum ersten Mal sehen". 

Helen Martens Installation © Carl Court/Getty Images

Die Auszeichnung ist bereits die zweite Ehrung für die Künstlerin binnen weniger Wochen. Im November hatte sie den Hepworth-Preis gewonnen. In einem BBC-Interview sagte Marten kurz nach der Preisverleihung am Montag: "Die Welt stürzt von einer Krise in die nächste und das Mindeste, was wir tun können, ist nicht nur passive Zuschauer zu sein." Man müsse Populismus und Fremdenfeindlichkeit mit Toleranz und Mitmenschlichkeit begegnen.

Der nach dem britischen Maler William Turner benannte Preis wird seit 1984 an Künstler unter 50 Jahren vergeben, die aus Großbritannien stammen oder dort arbeiten. So erhielt etwa der deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans, der in London lebt, 2000 die wichtigste britische Auszeichnung für moderne Kunst. Der Preis ist mit 25.000 Pfund, knapp 30.000 Euro, dotiert.

Im vergangenen Jahr gewann das Kollektiv Assemble. Die Gruppe aus Architekten, Designern und Künstlern erhielt den Preis unter anderem für ein Renovierungsprojekt in Liverpool.

Unter den vier Nominierten in diesem Jahr waren auch die britische Künstlerin und Hochschullehrerin Josephine Pryde, die in Berlin und London arbeitet, sowie Michael Dean und Anthea Hamilton. Die Werke aller vier Nominierten sind noch bis zum 2. Januar 2017 in der Tate Britain zu sehen.