Ist das noch Satire oder schon Revolution? Die Frage war Jan Böhmermann so wichtig, dass er sie nicht nur auf den Flyer zu seiner ersten musealen Ausstellung drucken ließ, sondern auch in Form eines Wandtattoos als erstes Exponat ausstellt, kunstkontextaffin in Kleinbuchstaben: ist das noch satire oder schon revolution?

Die Frage zielt natürlich zunächst nicht auf seine eigene Arbeit als "Quatschvogel" (Böhmermann) ab, sondern auf den "Zustand Deutschlands im Superwahljahr 2017". Merkel sei doch irgendwie neblig, sagt der Fernsehmoderator und jetzt Ausstellungskurator im Gespräch vor der offiziellen Eröffnung seiner Schau im NRW-Forum Düsseldorf. "Alles irgendwie beige: die Kleidung der Kanzlerin, die vergangenen Legislaturperioden, das Wetter draußen, sogar die gescheiterten Sondierungsgespräche zu einer Jamaika-Koalition."

Eine Kleinigkeit ist nach rechts verrutscht

Deutschland, sagt Böhmermann, lebe so vor sich hin, wobei es völlig offen sei, ob das nun ein schlechter oder ein guter Zustand ist. Auf jeden Fall klingt es nicht nach Revolution. Im Gegenteil: "Ist überhaupt irgendjemand durcheinander?" Nun, zumindest ein klein bisschen der Ausstellungstitel, der über dem Eingang prangt: Deuscthland. Das ist kein Tippfehler. Eine Kleinigkeit ist nach rechts verrutscht.

Drinnen sieht man dann auf einem Regalbrett eine Flasche polnisches Bier und einen Stein. Man sieht einen irgendwie chinesisch dekorierten Süßigkeiten-Automaten, an dem man sich für einen Euro einen "Hetzkeks" ziehen kann, in dem ein AfD-Tweet steckt. Man sieht Fotos von Angela Merkel beim Wandern in beigen Hosen und karierter Bluse. Ähnliche Kleidung liegt davor auf einem Tischchen auch zum Anfassen bereit: Auf Tuchfühlung mit der Kanzlerin. Schon klar.

Er habe hier ausstellen wollen, was im Fernsehen nicht möglich sei, sagt Böhmermann. Zum einen das, was bei den ganzen Brainstormings für die Sendungen rechts und links runtergefallen sei, und zum anderen das, was auf ZDFneo "aus ethischen Gründen" nicht ginge.

Herzchen, Kopf und Zwinker-Smiley

Am Ende sind das ein Dutzend Exponate oder Installationen, äußerst nüchtern, beinahe schon lieblos an den Wänden eines rund 100 Quadratmeter großen weißen Raums aufgereiht. Zum Beispiel ein grüner, etwa 10 x 4 Zentimeter kleiner, zerknickter Zettel hinter Glas, Mantra heißt das Exponat. Böhmermann hat darauf – laut Werkangabe im Jahr 2016 – mit Kugelschreiber drei Emoticons gekritzelt: ein Herzchen, einen Kopf, ein Zwinker-Smiley. Der Mann hat Recht: Das käme auf dem Fernsehbildschirm irgendwie nicht rüber.

Die Frage ist: Kommt es hier rüber? Im Gegensatz zu seinem Neo Magazin Royale, in das ein Teil der Zuschauer immer auch einfach nur beim Zappen reinstolpert, muss Böhmermann seine Zuschauer hier nicht "abholen". Sie müssen von selbst kommen, "zum Beispiel mit der Düsseldorfer Stadtbahn". Das freut ihn sehr. Fernsehen, das sei ja oft intellektuell barrierefrei.