"Rooftop Playground" der Galerie Michael Fuchs auf dem Dach der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule: "Trojanisches Pferd" von Tomi Ungerer, Leiko Ikemuras Zeltfrau und Wurstschaukel von Gabriel Rico mit Blick auf die Synagoge Oranienburger Straße © Michael Fuchs Galerie

1. Tag

Am Brandenburger Tor, einer von Berlins meistfotografierten Attraktionen, kommt etwas ans Licht, was bislang im Verborgenen lag: Die Akademie der Künste auf dem Pariser Platz macht erstmals ihr Kellergewölbe zugänglich und eröffnet nach langer Restaurierung eine faszinierende Unterwelt. Ende der 1950er-Jahre, bevor mit dem Mauerbau die bleierne Ära in der DDR begann, konnten sich Maler wie Harald Metzkes oder Horst Zickelbein an den Wänden austoben. Sie schufen kubistisch verzerrte Frauen bei Saufgelagen, und Manfred Böttchers Strichmännchen, die an den viel späteren und berühmteren A. R. Penck erinnern, tanzen auf schwarzem Grund. 

Ellen Gallaghers "Raveen" aus der Serie "DeLuxe", 2004/05, ist eines von 300 Meisterwerken auf Papier in der Eröffnungsausstellung des PalaisPopulaire. © Ellen Gallagher, courtesy the artist and Hauser & Wirth, 2018

Danach steht Preußens Glanz und Gloria auf dem Programm, doch der Weg vom Brandenburger Tor dorthin ist mühsam. Eine der klassischen Berliner Dauerbaustellen für eine U-Bahn, die keiner braucht, lässt von der Pracht des Boulevards Unter den Linden wenig übrig. Erst an der Ecke zur Charlottenstraße wird es angenehmer, hier residierte bis vor Kurzem die Deutsche Bank Kunsthalle, die nun gut 300 Meter weiter an eine noch feinere Adresse zieht: ins Prinzessinnenpalais, das hinter dem Bebelplatz und der kürzlich wieder­eröffneten Staatsoper in der Sonne leuchtet und pünktlich zur Art Week als Palais Populaire seine Wiedergeburt feiert. Das Gebäude stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als es die Straße Unter den Linden noch gar nicht gab. Es wurde im Krieg zerstört, in den 1960ern wiederaufgebaut und beherbergte lange das Operncafé. Die Eröffnungs­ausstellung The World on Paper präsentiert 300 Zeichnungen der Zeit nach 1948 aus der Sammlung der Deutschen Bank, die auf diesem Gebiet Heraus­ragendes zu bieten hat. 

Wir schlendern weiter zum Schinkel Pavillon, der nicht nur mit seiner Architektur begeistert, sondern auch mit seinem Ausstellungsprogramm. Ab 7. September ist unter anderem Henrik Olesen zu sehen. Ein Stückchen weiter, auf der Französischen Straße, verwirklichte Daniel Barenboim im Schatten der Staatsoper vor gut einem Jahr seinen Traum vom Pierre ­Boulez Saal. In dem von Frank Gehry entworfenen Konzertsaal geben sich die Stars der klassischen Musik ein Stelldichein. Die dazugehörige Akademie ist ein arabisch-israelisches Versöhnungsprojekt, im Bistro des Hauses lassen wir uns Hummus und Taboulé schmecken.

Nach einem Spaziergang über Berlins schönsten Platz, den Gendarmenmarkt, und einem Blick auf die Schlossbaustelle, die für Berliner Verhältnisse erstaunliche Fortschritte macht, besuchen wir die Galerie Kewenig. In den prachtvollen Räumlichkeiten des Palais Happe in der Brüderstraße bringt man derzeit Henri Matisse und Sean Scully in Dialog.

Dieser Artikel stammt aus Weltkunst Heft Nr. 147/2018 © Weltkunst verlag

Wir bleiben heute in Mitte und verbringen den Nachmittag rund um die August- und Linienstraße. In den 2000er-Jahren konzentrierte sich hier das Berliner Kunstgeschehen auf engstem Raum, und auch wenn andere Stadtteile aufgeholt haben, gibt es hier noch immer viele wichtige Galerien wie Neu mit seiner Plattenbauromantik, Sprüth Magers mit museumsgleichen Räumen gegenüber vom Monbijou-Park oder den Neuzugang aus London Kristin Hjellegjerde. In der Ehemaligen Jüdischen Mädchenschule betreibt das Museum Frieder Burda seit zwei Jahren einen kleinen, aber feinen Satelliten, den Salon Berlin. Zur Art Week werden hier zwei gegensätzliche Positionen zum Thema Sex­arbeit vorgestellt: Videoinstallationen von Can­dice Breitz und Gemälde von ­William Copley. Steigen Sie unbedingt auf die Dachterrasse, wo der Galerist Michael Fuchs einen Künstler-Spielplatz aufgebaut hat. Die Geräte sind ebenso eindrucksvoll wie die Aussicht auf den Fernsehturm und die Synagoge Oranienburger Straße.

Ein Still aus Candice Breitz' 13-Kanal-Installation "TLDR", 2017, im Museum Frieder Burda, Salon Berlin © Candice Breitz, Tldr, 2017, courtesy: KOW (Berlin)

Falls Sie noch aufnahme­fähig sind: Das Privatmuseum Me Collectors Room und die Kunst-Werke, Mitte-Pionier der wilden 1990er-Jahre, sind schräg gegenüber. Den Abend ver­bringen wir bei Königsberger Klopsen in Clärchens Ballhaus, wer’s feiner mag, speist im Szenetreff Grill Royal (reservieren!).