Aenne Biermann wurde nur 34 Jahre alt. Mit ihrem Tod fand eine rasante Fotografinnenkarriere ein jähes Ende. Der 1898 geborenen Tochter eines jüdischen Schuhfabrikanten war früh klar, dass sie keinen der typischen Frauenberufe ergreifen würde. Stattdessen folgte sie ihrem Talent und brachte sich das Fotografieren selbst bei. Dass sich Biermann abseits der Akademien einen Namen machte und es in den Zwanzigerjahren in die relevanten deutschen Fotokunstmagazine schaffte, zeugt von der Qualität ihrer Arbeiten.

Das Magazin schrieb 1931 über sie: "Hier ist eine Fotografin, die ein gänzlich neues Gesicht in ganz alltäglichen Dingen zeigt – die vielbeliebte Neue Sachlichkeit verliert unter ihren sehr zarten Händen all ihren Schrecken – behutsam fasst sie die Dinge an, die ihre Augen sehen." Biermanns nüchterner, aber doch einfühlsamer Blick richtete sich auf Landschaften und Pflanzendetails, Alltagsszenen und Menschen, vor allem ihre Kinder.

Im Januar 1933, zwei Wochen vor Hitlers Machtergreifung, starb Aenne Biermann, wahrscheinlich an einem Leberleiden. Ihr Ehemann, der Geraer Textilkaufmann Herbert Biermann, konnte nur kleine Teile ihres Nachlasses ins Exil retten. Jetzt ist im Hirmer Verlag der Band Aenne Biermann: 60 Fotos erschienen, eine Reproduktion eines Fotobuchs von 1930, in dem die Künstlerin selbst ihr Schaffen dokumentierte. Wir zeigen eine Auswahl.