Längst kommen auch die frühen Reeditionen, wie sie etwa Knoll International seit 1948 für Mies van der Rohe produzierte, unter den Hammer. Der Grat zwischen kennerschaftlichem Sammeln und dem Interesse an Möbeln mit Patina der Nachkriegszeit für die Wohnungseinrichtung – meist deutlich günstiger als die fabrikneuen Stücke von heute – ist hier sehr schmal. Jeder Sammler muss selbst entscheiden, wie genau er sich an die gängigen Standards hält: die nachvollziehbare Provenienz zu einem Auftraggeber der Entstehungszeit oder Merkmale der Konstruktion, die zweifelsfrei zu einer Herstellerfirma der Zwanziger oder Dreißiger führen. Die Geschichte der Produzenten und deren Archive, so weit erhalten, bieten unschätzbare Erkenntnisse zur Einordnung der Möbel. Leider ist diese Firmen- und Wirtschaftsgeschichte bislang nur unzulänglich erforscht.

Dass aus der Weimarer Republik so wenig nachweisbar ist, liegt schon daran, dass ein Großteil der Möbel ausschließlich für das Bauhaus selbst hergestellt wurde und es nie, wie eigentlich beabsichtigt, zu einer größeren Industrieproduktion kam. Es gab einige wenige Privataufträge in der frühen Bauhaus-Zeit, die zum größten Teil von den Werkstätten der Schule oder von Gropius’ Atelier entworfen und hergestellt wurde. Breuer gab 1921 sein spektakuläres Debüt, ein Jahr nach Eintritt in die Tischlerwerkstatt der Kunstschule. Gemeinsam mit der Textilkünstlerin Gunta Stölzl entwarf er sein erstes Möbel, ein thronartiges Gebilde, das als Afrikanischer Stuhl in die Kunstgeschichte einging. Zusammengefügt aus massiven, farbig gefassten Eichenbalken, die sich in einem gotischen Spitzbogen vereinen, und dem abstrakt-ornamentalen Gewebe Stölzls, folgt er einer handwerklich-expressionistischen Gesamtidee. Der Stuhl war lange verschollen. Als er 2004 wieder auftauchte, konnte ihn das Berliner Bauhaus-Archiv erwerben.

Parallel zum Afrikanischen Stuhl begann Breuer mit der Konzeption seiner "Lattenstühle". Wie konstruktivistische Gebilde aus Holzbalken zusammengesteckt, begründeten sie seinen Ruf als Entwerfer für Möbel, die immer beides waren: Stuhl und Skulptur. Die Ambivalenz zwischen den Holzstreben und den flächig gespannten Stoffen macht ihren Reiz aus. Der "Lattenstuhl" wurde seit 1922/23 in den Bauhaus-Werkstätten hergestellt und blieb auch in Dessau ein gefragtes Produkt. Schon 1999 erzielten zwei Exemplare bei Christie’s in London 59.000 und 54.000 Pfund brutto, doch wurde im Handel bereits damals ein Mehrfaches gezahlt, wenn die Provenienz und die Erhaltung von Holz und Stoff exzellent waren. Im letzten Dezember schlug Quittenbaum eine Version des TI 1A für 66.000 Euro zu. Bei der Bauhaus-Auktion im Juni kommt im Münchner Haus ein weiteres Exemplar unter den Hammer, doch bleibt man mit dem Schätzwert von 25.000 Euro vorsichtig. Die Beurteilung der leicht nachzubauenden Stücke ist eben schwierig.

Viel seltener, obgleich heute besonders populär und als Reedition weit verbreitet, ist die Tischlampe von Wilhelm Wagenfeld und Carl Jacob Jucker. Die beiden Bauhaus-Schüler entwickelten sie 1923 unter der Aufsicht des Formmeisters László Moholy-Nagy. Kugel, Kreis, Röhre, Glas und Metall fügen sich zu einer grafischen Komposition. Viel mehr als eine vage Zeitbestimmung lassen die wenigen Lampen, die je auf den Markt kamen, nicht zu. Christie's in Paris verkaufte 2011 ein Exemplar, "um 1924" eingeordnet, mit Aufgeld für 56.000 Euro. Bei Grisebach soll im Mai eine auf 1924 datierte Version 100.000 bis 150.000 Euro bringen. Eine Industrieproduktion der Lampe scheiterte an der aufwendigen Handarbeit, die sie damals benötigte, und auch in diesem prominenten Fall gibt es nur wenige Kenner, die originale Substanz von späteren Zutaten unterscheiden können. Seit 1980 wird die Lampe in großer Stückzahl von der Firma Tecnolumen angeboten; nun erst trat sie ihren Siegeszug in die Welt an.

Aber auch die weniger bekannten Entwerfer der Schule tauchen nur vereinzelt am Markt auf. Von Peter Keler, dessen geometrische Wiege 1923 in der ersten Bauhaus-Ausstellung Aufsehen erregte, bot Quittenbaum im Dezember 2018 ein kleines Holzregal aus den Dreißigern für 800 Euro an – kein Käufer war für das Stück aus dem Keler-Nachlass zu begeistern. Erich Dieckmann, Bauhaus-Student von 1921 bis 1925, erzielt andere Preise. Seine dynamischen Stahlrohrsessel rangieren von 5000 Euro bis zum Rekord von 40.000 Dollar, den Wright in Chicago im November 2018 für einen rasant geschwungenen Sessel vermelden konnte.

Die Datierung ist, wie bei fast allen Möbeln von Bauhäuslern, schwer nachweisbar. "Kaum jemand kennt sich wirklich aus", sagt der Berliner Torsten Bröhan, Pionier und exzellenter Kenner auf dem Gebiet. Er begann 1982 als einer der Ersten mit dem Handel von modernem Design und richtete die erste Bauhaus-Ausstellung einer Privatgalerie aus. Mit seinem Urteil spricht Bröhan das Hauptproblem beim Umgang mit den Möbeln an. Hinzu kommt: Da die Werke der Weimarer Zeit experimentell in der Holzwerkstatt entwickelt wurden, gibt es keinen Prototyp, kein "Original". Die Lehrer und Studenten probierten erst einmal aus, was überhaupt geht.

Auch in der Dessauer Zeit gab es keinen Ur-Stuhl. Selbst so berühmte Entwürfe wie der 1925/26 entwickelte, als Wassily-Chair berühmt gewordene Armlehnsessel B3 von Breuer entstand als work in progress. Bröhan schätzt die damalige Verbreitung des Möbels, das wirkt, als sei ein Club-Sessel auf sein Skelett reduziert, als extrem gering ein. Breuers Firma Standardmöbel, die er 1927 mit seinem ungarischen Landsmann Kalman Lengyel gründete, bestand nur anderthalb Jahre. Die danach von Thonet weitergeführte Produktion sah schon anders aus. Die Metallrohre des B3 wurden dicker und schwerer, ein zusätzliches Rohr stabilisierte die Lehne. Erst dreißig Jahre nach der Schließung des Bauhauses, als Dino Gavina 1962 begann, Reeditionen von Breuers Möbeln anzubieten, setzte der weltweite Siegeszug des Wassily ein. Er ist so etwas wie die Essenz des modernen Möbeldesigns, und gemeinsam mit Breuers minimalistischem Hocker für das Bauhaus-Gebäude, ebenfalls 1925/26 entworfen, markiert er den Beginn der Stahlrohr-Ära.

Die Preise variieren deutlich, im Extrem zwischen drei- und sechsstelligen Beträgen. Oft ist auf den ersten Blick nicht erkennbar, wie es zu so hohen Schwankungen – vor allem bei den bekannten Freischwingern von Breuer und Mies van der Rohe – kommt. Die Auktionshäuser geben sich verschlossen und nennen häufig nur das Entwurfsjahr, während die preisbestimmende Zeit der Herstellung diskret verschwiegen wird.