Wie in jedem Sammelgebiet können aufregende Provenienzen auch hier die Preise rasant in die Höhe treiben. So brachte ein Tugendhat-Sessel von Mies van der Rohe aus dem Besitz von Carl Wilhelm und Mildred Crous 2011 bei Christie’s mit Aufgeld 116.500 Dollar. Der freischwingende Flachstahl-Sessel mit seinen eleganten, gegenläufigen Kurvenbewegungen ist extrem selten und wird – wenn überhaupt – nicht mit einer solchen Herkunft angeboten. Mildred Crous war die Tochter des Krefelder Seidenfabrikanten Hermann Lange, einem der wichtigsten Auftraggeber von Mies. So kam es, dass der damalige Bauhaus-Direktor 1930 für das Ehepaar eine Wohnung in Berlin einrichtete.

Das berühmteste Möbel von Mies, als Reedition heute der Inbegriff von modernem, luxuriösem Design, ist auch das komplizierteste: der Barcelona-Sessel, 1929 für den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in der katalanischen Metropole entworfen. Ulrich Fiedler schätzt, dass heute nur noch fünf bis sechs Vorkriegsexemplare erhalten sind. 300.000 bis 400.000 Euro würde einer dieser Sessel kosten – wenn überhaupt mal einer am Markt auftauchen würde.

Hannes Meyer, der zweite Bauhaus-Direktor, war weder an Breuers Stuhlskulpturen noch an den eleganten Schöpfungen seines Nachfolgers Mies interessiert. Er entwarf schlichte Gebrauchsmöbel aus billigem Holz. Nur vereinzelt werden sie zu meist mittleren vierstelligen Beträgen angeboten. Ebenso selten, aber von außergewöhnlicher Qualität sind die Möbel von Josef Albers. Der Künstler leitete von 1923 bis 1933 den Vorkurs des Bauhauses und entwickelte seine Projekte grundsätzlich von der optischen Wahrnehmung her. Wie Breuer konzipierte Albers seine Möbel als raumgreifende Skulpturen. Er kombinierte Holz und Metall und benutzte dicke Polster. Ein Armlehnsessel aus flachem, gebogenem Holz, 1929 für den Kunsthistoriker Ludwig Grote realisiert, sprang 2007 bei Phillips in New York von taxierten 40.000 auf 96.000 Dollar brutto.

Immer seltener werden Möbel von Albers, Mies und Breuer aus der Bauhaus-Zeit. Ein schrumpfender Markt, so Fiedler: "Es gibt einfach immer weniger Material." Zu wenige Menschen ließen sich in der Weimarer Republik auf die ästhetischen Experimente der Avantgarde ein; auch der umtriebige Breuer war mit seinen Stahlrohrmöbeln alles andere als erfolgreich. Erst seine volumenhaltigen Sperrholzmöbel für die englische Firma Isokom sowie die Gestaltungen in Aluminium für die Schweizer Firma Embru brachten ihm in den Dreißerjahren den Durchbruch. Die anatomisch geformten Stücke aus dieser Zeit tauchen für 5000 bis 10.000 Euro regelmäßig auf Auktionen auf. 

Die frühen Reeditionen der Nachkriegszeit

Wer bei den museumswürdigen Stücken nicht mithalten kann, aber trotzdem vom Bauhaus-Virus gepackt ist oder einfach nur mit den Möbeln leben will, sollte keine Scheu vor den frühen Repliken der Nachkriegszeit haben. Für oft schon wenige hundert Euro ist Breuers Wassily aus Dino Gavinas Produktion vor 1968 zu bekommen, für ein wenig mehr Geld ein Barcelona-Sessel von Knoll International aus den Fifties. Aber es kann auch durchaus reizvoll sein, neue Reproduktionen zu erwerben, denn manche der Bauhaus-Entwürfe kamen fast nie auf den Markt oder wurden überhaupt nicht produziert. Das gilt für die Möbel von Josef Albers wie für Peter Kelers Wiege, die offenbar ein Einzelstück war (heute im Weimarer Bauhaus-Museum) und bei Tecta als erstklassige Replik erhältlich ist. Oder Gyula Paps wunderbare Stehlampe, puristisch zusammengefügt aus Stange, Scheibe und Glühbirne, die selbst der erfahrene Ulrich Fiedler nur ein einziges Mal in einer Vorkriegsausführung in der Hand hatte. Bei Tecnolumen ist sie heute als Reproduktion zu haben.

Die Möbel der Bauhaus-Schüler wie Keler oder Pap sollte man nicht vernachlässigen. Max Bills Ulmer Hocker, den er gemeinsam mit seinem Kollegen Hans Gugelot 1953 für die legendäre Hochschule für Gestaltung in Ulm entwarf, wird immer wieder für moderate Summen als Vintage-Exemplar angeboten, aber heute auch von Zanotta qualitätvoll produziert. Nicht minder spannend sind die zahlreichen Nachkriegsentwürfe von Selman Selmanagic, der als einflussreicher Gestalter in der DDR wirkte. Ein ganz Großer des modernen Möbeldesigns ist Ferdinand Kramer. Er war zwar 1919 nur wenige Monate als Student am Bauhaus, aber seine klaren Holzmöbel, die er für das "Neue Frankfurt" der Zwanzigerjahre schuf, sind fast schon ein Mythos und für 2000 Euro, zuweilen sogar nur wenige hundert Euro, zu ersteigern.

Die Bauhäusler arbeiteten prozesshaft. Ihnen ging es um das Experimentieren und darum, die Entwicklung des Entwurfs offenzuhalten. Folgerichtig gibt es bei ihren Möbeln keine Urtypen, keinen perfekten Endzustand. Alle Stücke entwickelten sich. Der Kunsthandel, die Museen, auch viele Sammler verstehen unter Originalen die Modelle, die vor dem Krieg hergestellt und vertrieben wurden. Das ist eine klare Definition, die allerdings nicht automatisch mit der künstlerischen Qualität übereinstimmen muss. Manchmal sind spätere Fassungen gelungener als frühe. So schätzte Mies die in Amerika produzierten Barcelona-Sessel. Für ihn waren sie perfekter als die deutschen Vorkriegsversionen, weil es Knoll gelang, den Edelstahl so zu polieren, dass er noch edler glänzte als die Verchromung der "Originale". Auch bei Thonet entwickelten sich die Möbel durch Variationen und kleine Veränderungen, meist noch in Absprache mit ihren Entwerfern. Insofern können später hergestellte Modelle durchaus einen eigenen Reiz haben.

Die meisten Möbel der Schüler entstanden erst nach der Schließung des Bauhauses, und doch sind sie für dessen Ausstrahlung enorm wichtig. Unser Bild der Kunstschule ist von den berühmten Stühlen Breuers und Mies’ geprägt, doch die Welt entwickelte sich weiter. Keiner der Künstler blieb in der magischen Dessauer Zeit zwischen 1925 und 1932 stehen. Die Ex-Bauhäusler schufen immer wieder Neues, geprägt von ihrer jeweiligen Lebenswelt, sei es in den USA oder in der DDR. So entstanden ganz unterschiedliche Stile, die aber eines verband: Sie alle hatten ihren Ursprung im Bauhaus.

Dieser Artikel stammt aus der Weltkunst, Heft Nr. 157/2019.