Die Bundesregierung will Italien dabei unterstützen, das Gemälde Vaso di Fiori des niederländischen Malers Jan van Huysum dorthin zurückzubringen. Dies bestätigt sie in der Antwort auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Fabio De Masi, die ZEIT ONLINE und dem ARD-Magazin Panorama (NDR) exklusiv vorliegt. Das Gemälde war 1944 während der deutschen Besatzungszeit aus der Sammlung der Uffizien in Florenz entwendet worden und befindet sich heute offenbar in Deutschland bei den Erben eines einst in Italien eingesetzten Wehrmachtsoldaten.

Für die Rückholung steht das Auswärtige Amt in Kontakt mit der italienischen Regierung, außerdem führt es Gespräche mit den Uffizien und den deutschen Erben. Die Bundesregierung schließt allerdings die Zahlung einer Entschädigung an die Erben ebenso aus wie die Einsetzung einer Schiedskommission. Außerdem bestätigt sie, dass italienische Behörden in dem Fall ermitteln und um Rechtshilfe ersucht hätten. Zum Stand des juristischen Verfahrens macht sie keine Angaben, "um den Fortgang der Ermittlungen nicht zu gefährden".

Der Fall hatte Anfang des Jahres Aufsehen erregt, weil der Uffizien-Direktor Eike Schmidt eine Schwarz-Weiß-Kopie des Gemäldes im Palazzo Pitti in Florenz aufgehängt und dabei öffentlichkeitswirksam die Rückgabe des im Zweiten Weltkrieg gestohlenen Gemäldes gefordert hatte. Im Interview mit ZEIT ONLINE hatte Schmidt die Erbenfamilie aufgefordert, das Gemälde freiwillig zurückzugeben. Die Familie würde so "zu Rettern eines Kunstgutes von unermesslichem geschichtlichem Wert werden, das sie anderenfalls der Öffentlichkeit und dem rechtmäßigen Eigentümer schuldhaft entzogen hätte", so Schmidt.

"Entwendet", nicht "entzogen"

Im Jahr 1944 habe die Wehrmacht auf dem Rückzug vor den anrückenden Alliierten Hunderte Kunstwerke aus dem Depot der Florentiner Museen nach Südtirol gebracht und dort zurückgelassen, so Schmidt. Wie der Wehrmachtsoldat dann an das Van-Huysum-Gemälde gekommen ist, dessen aktueller Wert auf mehrere Millionen Euro geschätzt wird, ist bis heute nicht restlos geklärt. Die Bundesregierung schreibt nun in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage, sie gehe davon aus, dass das Gemälde nicht "als NS-verfolgungsbedingt entzogen" anzusehen sei, sondern schlicht als "entwendet". Daher, so die Bundesregierung, "wäre der Wehrmachtsoldat nicht Eigentümer geworden und hätte demnach auch kein Eigentum an dem Gemälde vererben können".

Der Linken-Abgeordnete De Masi hat eine geteilte Meinung zu dieser Antwort: "Es ist gut, dass die Bundesregierung eine Rückgabe des Gemäldes unterstützt. Aber sie macht aus dem Kunstraub eines Wehrmachtsoldaten eine private Angelegenheit. Das ist skandalös und nicht konsequent. Denn wenn Raubkunst aus der NS-Zeit einfacher Diebstahl ist, hat die Bundesregierung damit nichts zu tun. Das untergräbt die Durchsetzbarkeit bei Restitutionsansprüchen." De Masi appellierte wie zuvor der Uffizien-Direktor Schmidt an die heutigen Besitzer, das Gemälde freiwillig herauszugeben: "Lösegeld von der italienischen Regierung oder gar den Steuerzahlern in Deutschland zu verlangen, ist unanständig. Vaso di Fiori gehört in die Uffizien."

Schmidt sagte nun seinerseits, er sei erfreut darüber, dass die Bundesregierung die Rückführung des Gemäldes an seinen angestammten Platz in den Uffizien unterstütze: "Die Tatsache, dass ein deutscher Soldat das Bild offenbar gestohlen hat, ändert nichts daran, dass das Kunstwerk den Uffizien damals bereits vorher von der NS-Besatzungsmacht geraubt worden war", so Schmidt. "Daher richtet sich unser Appell, das Bild nach 75 Jahren endlich zurückzugeben und der Allgemeinheit wieder zugänglich zu machen, sowohl an die Bundesrepublik Deutschland als auch an den privaten Besitzer des Diebesguts in Deutschland."

Der Anwalt der heutigen Besitzer, der Kunstrechtsexperte Nicolai B. Kemle, sagte auf Anfrage von Panorama und ZEIT ONLINE: "Wir gehen ebenfalls davon aus, dass das Bild keine NS-Raubkunst darstellt." Man vermute aber vielmehr, dass der Wehrmachtsoldat "das Bild auf einem Markt erworben hat, um seiner ausgebombten Frau etwas Schönes zu schicken". Die Erben und heutigen Besitzer, die nach Medienberichten in der Vergangenheit bis zu zwei Millionen Euro für eine Rückgabe des Gemäldes gefordert hatten, seien inzwischen zu einer gemeinsamen Ermittlung der Provenienz oder zum Einschalten einer Schiedskommission bereit.