Nackte Frau, Klaus Kinski und der Mond: Dieses Bild von Axel Krause war ursprünglich für die Leipziger Ausstellung geplant. © Axel Krause/​Foto: Gustav Franz

Gibt es wirklich keinen anderen Weg, mit dem umstrittenen Maler umzugehen? Felix Leffrank findet: Natürlich hätte es Möglichkeiten gegeben. Leffrank ist einer der Künstler, die zusammen mit Krause ausgestellt hätten, einer von vielen, die in den letzten Tage ihre Werke ab- und wieder aufgebaut haben. Er sitzt in einem Hinterhofcafé in der Leipziger Innenstadt, und gleich zu Beginn des Gesprächs mit der ZEIT zeigt er ein Video: Ein Schauspieler, der offenbar Axel Krause darstellen soll, in Trainingsjacke gekleidet, sinniert über Heimat, Herkunft und die Fünfzigerjahre. In einer Szene des Videos vergleicht der Krause-Schauspieler die Menschen in Sachsen mit Pflanzen, die lange im Dunkeln hätten wachsen müssen – und die nun als schöne, aber ziemlich eigenwillige Geschöpfe ans Licht drängten.

Leffrank hat das Video als künstlerische Auseinandersetzung mit Krause gedreht, zwei Monate lang hat er daran gearbeitet, auf der Jahresausstellung wollte er es zeigen. "Ich habe versucht, mich dieser Art zu denken zu nähern", sagt Leffrank. "Mit ihr ist Krause ja nicht allein. Einige ältere Künstler denken so. Und ich glaube, dass wir uns daran gewöhnen müssen, mit konservativen oder rechten Künstlern auszustellen. Die Frage ist: Wie machen wir das?" Über die Absage der Ausstellung sei er "richtig wütend" gewesen, sagt Leffrank, die Ausladung Krauses findet er ebenso falsch.

Tatsächlich beschäftigen sich die Künstler und Galeristen der Baumwollspinnerei viel kontroverser mit der Ausladung Krauses, als viele das von außen womöglich vermuten würden. "Das hätte ein extrem spannender, fruchtbarer Umgang mit der Situation werden können", sagt die Galeristin Arne Linde, die in der Baumwollspinnerei die Galerie ASPN führt. "Wenn ein Künstler dabei ist, der für die AfD Werbung macht, dann müssen wir damit umgehen. Das müssen wir in der politischen Landschaft ja auch." Aber dann, sagt Linde, "sollten die Widersprüche auch zum Thema werden. Das wäre für mich ein Zeichen einer starken, pluralistischen Gesellschaft gewesen."

Jetzt ist es anders gekommen. Und Leipzigs Kunstwelt sieht aus, als würde man sich nicht trauen, mit der AfD zu diskutieren. Axel Krause nutzt die Möglichkeit, sich auf Facebook als "entarteten Künstler", als Opfer einer irregeleiteten Ideologie in Szene zu setzen. Nur um gleich darauf in ironischem Tonfall die Harmlosigkeit seiner Kunst zu betonen. Man muss nicht lange mit ihm sprechen, nicht lange auf seiner Facebook-Seite suchen, um zu bemerken, dass er das Spiel genießt. Ständig hört man in seinem Atelier das Pling seines Computers, es unterbricht fast jeden seiner Sätze. Er bekommt unendlich viel Post. Die Druckwelle, die anderswo so viel Schaden angerichtet hat, ist hier positive Energie. Sie hat nicht nur den Wert von Krauses Bildern gesteigert. Sie hat ihm das gegeben, was sich Künstler wünschen: Relevanz. 

Krause nimmt einen Schluck Limonade. Ob er für die Trennung von Künstler und Werk sei? Krause schüttelt den Kopf. Im Gegenteil: Es sei normal, dass in einem Museum biografische Informationen zum Künstler aufgeführt würden. "Bei mir müsste man sicher schreiben, dass ich in dieser Stiftung sitze und dass ich die AfD unterstütze." Krause lacht leise. Es klingt, als könne er es kaum erwarten.

Anmerkung der Redaktion: Der Text erschien unter dem Titel "Aufruhr in der Spinnerei" am 6. Juni 2019 in der ZEIT im Osten Nr. 24/2019 und wurde nachträglich aktualisiert.