Der Maler Eberhard Havekost ist tot. Er sei am Freitag in Berlin im Alter von 52 Jahren gestorben, erklärte sein Galerist Frank Lehmann am Samstag in Dresden. "Ich bin tief erschüttert, sein Tod kam so plötzlich", sagte Lehmann. Havekost habe noch so viele Pläne gehabt.

Havekost wurde mit seiner kühlen, von modernen Medien inspirierten Malerei international bekannt. Er hatte Einzelausstellungen in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt, dem Stedelijk Museum in Amsterdam, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Kunstmuseum Wolfsburg. Seine Werke befinden sich unter anderem in den Beständen des Museum of Modern Art in New York und der Tate Modern London. Sie haben meist prägnant-sachliche Titel  wie Superstar, Auge, Landschaft oder Gefühl und spiegeln Havekosts Malstil wider, der sich aus der Tradition der realistischen Malerei und des Fotorealismus heraus entwickelt hat – hin zu einer Abstraktion, die Sehgewohnheiten und die Flüchtigkeit unserer Wahrnehmung hinterfragen wollte. Oft nutzte er eigene oder gefundene Fotografien als Vorlage: Autos, Züge, Häuserfassaden, die auf seinen Bildern oft verwischt wirkten, wie im Vorbeifahren aufgenommen.  

Es ging ihm nicht mehr um Lesbarkeit

Geboren 1967 in Dresden, absolvierte Havekost dort nach dem Abitur eine Steinmetzlehre. 1989 floh er über Budapest in den Westen und lebte anschließend in Frankfurt am Main. Von 1991 bis 1996 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Er lebte und arbeitete in Berlin und lehrte als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Kunstexperten verglichen Eberhard Havekost manchmal mit dem jungen Gerhard Richter, der ebenfalls in Dresden geboren wurde. Havekost spielte selbst ironisch mit Richters Werk. Er kopierte etwa ein verschleiertes Farbflächenbild des Kollegen und stellte eigene konstruktivistisch wirkende Abstraktionen mit bunten Flächen daneben. Auf die Frage, warum er Richter kopiert habe, sagte er: "Weil ich das Bild nie verstanden habe."

Früher habe er in seinen Bildern eine lesbare imaginäre Welt entwickelt, sagte Havekost einmal über sein Werk: "Heute ist mir Lesbarkeit nicht mehr so wichtig, ich sehe das Bild nicht nur als Fenster zu einer Gedankenwelt." Der Betrachter solle selbst interpretieren.