Das Adelshaus Hohenzollern erhebt einem Medienbericht zufolge Anspruch auf Tausende Kunstwerke von teils nationaler Bedeutung aus öffentlichen Museen in Berlin und Brandenburg. Dies gehe aus Unterlagen aus seit Jahren geheim laufenden Vergleichsverhandlungen mit der öffentlichen Hand hervor, berichtet der Tagesspiegel. Hohenzollern-Oberhaupt Georg Friedrich Prinz von Preußen verlangt demnach zudem dauerhaftes unentgeltliches Wohnrecht für die Familie im Potsdamer Schloss Cecilienhof oder zwei anderen Schlossvillen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ließ mitteilen, bei den Gesprächen mit Bund, Berlin und Brandenburg gehe es um eine dauerhafte Gesamtlösung für verschiedene Kunst- und Sammlungsgegenstände. "Zurzeit liegen die Verhandlungspositionen immer noch sehr weit auseinander", hieß es.

Hintergrund sei ein Gesetz aus dem Jahr 1926 über die Vermögensauseinandersetzung zwischen dem damaligen Staat Preußen und dem Haus Hohenzollern. Nun gehe es unter anderem um rechtliche Unklarheiten im damaligen Vertrag. Laut Tagesspiegel soll es sich um Sammlungsobjekte handeln, die sich heute vor allem bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und beim Deutschen Historischen Museum befinden. "Darunter befinden sich auch Gegenstände und Gemälde von erheblichem Wert und historischer Bedeutung", hieß es aus dem Staatsministerium für Kultur und Medien.

Die Hohenzollern zählen zum deutschen Hochadel, das derzeitige Familienoberhaupt ist Ururenkel von Wilhelm II., dem letzten deutschen Kaiser. Dem Bericht zufolge erweiterten die Hohenzollern zuletzt ihre Forderungen an die öffentliche Hand um Teile des früheren Hausarchivs und der Bibliothek der Preußenkönige sowie den Anspruch auf Wohnrecht.

Leihverträge für Kunstwerke für Museen gekündigt

Laut Tagesspiegel hatte Grütters' Stab die Forderung am 13. Juni per Brief abgelehnt. In dem Schreiben heiße es, dass die Vertreter Berlins, Brandenburgs und des Bundes keine geeignete Grundlage für Erfolg versprechende Verhandlungen sehen. Seit mindestens 2014 werde über strittige Eigentums- und Besitzverhältnisse verhandelt. Nach Informationen der Zeitung hatte das Adelshaus zwischenzeitlich die Leihverträge für Kunstwerke mit öffentlichen Museen gekündigt. Das Adelshaus habe auf Anfrage keine Details genannt, sondern von laufenden Verhandlungen gesprochen. Der Bund habe in dem Brief einen Gütetermin für den 24. Juli angesetzt, um zu beraten, ob es noch einen Lösungsweg gibt.

Bislang war lediglich bekannt, dass das Haus Hohenzollern für die Rückgabe früherer Immobilien kämpft – oder eine Entschädigung in Millionenhöhe für frühere Preußenschlösser, deren Rückgabe eindeutig ausgeschlossen ist. Zuletzt hatte das Landgericht Koblenz eine Klage von Georg Friedrich Prinz von Preußen auf Rückgabe des Schlosses Rheinfels gegen das Land Rheinland Pfalz abgewiesen.