Auktion - Banksy-Gemälde für zwölf Millionen Dollar verkauft Ein Unbekannter hat das Banksy-Gemälde "Devolved Parliament" für zwölf Millionen Dollar ersteigert. Das Bild zeigt das britische Unterhaus voll besetzt mit Schimpansen. © Foto: Kirsty Wigglesworth/dpa

Das britische Parlament, von Affen bevölkert: Das Ölgemälde Devolved Parliament des britischen Street-Art-Künstlers Banksy ist bei einer Auktion in London für die Rekordsumme von 9,9 Millionen Pfund versteigert worden. Umgerechnet sind das 11,1 Millionen Euro. Während der 13 Minuten dauernden Auktion seien die Gebote rasant gestiegen, teilte das Auktionshaus Sotheby's mit. Die Identität des Käufers wurde nicht bekanntgegeben.

Das 2,5 Meter hohe und 4,2 Meter breite Gemälde zeigt das britische Unterhaus, allerdings sind seine grünen Bänke besetzt von ernst blickenden Schimpansen statt von Politikerinnen und Politikern. Sotheby's hatte den Wert des Kunstwerks vorab auf 1,5 bis zwei Millionen Pfund geschätzt. Die nun erzielte Summe ist mehr, als je zuvor für ein Banksy-Werk gezahlt wurde. Bisher lag der Rekord bei umgerechnet 1,7 Millionen Euro, erzielt 2008 bei einer Auktion in New York.

Wie die New York Times berichtet, boten mindestens zehn Interessierte mit. Den Zuschlag bekam am Ende ein Bieter am Telefon. Durch den hohen Preis gehöre Banksy nun zu den teuersten Künstlern der Welt. "Es ist wie der Moment, in dem (Jean-Michel) Basquiat es in den Achtzigern in die Galerien von Soho schaffte", sagte demnach Alex Branczik von Sotheby's.

Aktuell durch Brexit

Auch der Künstler selbst äußerte sich am Donnerstag zu der Versteigerung. "Rekordpreis für ein Banksy-Gemälde bei einer Auktion heute Abend aufgestellt", schrieb er auf Instagram. "Schade, dass es nicht mehr mir gehört." Banksy, dessen Identität unbekannt ist, hatte das Bild 2011 verkauft.

Das Gemälde war erstmals 2009 im Museum von Banksys Heimatstadt Bristol ausgestellt worden. 2019 stellte der Künstler das Gemälde erneut aus – zeitgleich mit dem ursprünglichen Brexit-Datum 29. März und in Anspielung auf die heftigen, tumultartigen Brexit-Debatten im Unterhaus. Bei dieser Gelegenheit wurde das Werk, das früher Fragestunde hieß, umbenannt in Devolved Parliament. Der Begriff bezieht sich ursprünglich auf die Regionalparlamente in Schottland und Wales und den sogenannten Devolution-Prozess, bei dem sie auf Kosten des Londoner Parlaments mehr Macht bekamen. Bei einem Bild, das Affen statt Menschen zeigt, kann man Devolution zusätzlich auch als Gegenteil von Evolution verstehen.

Der New York Times zufolge hatte Banksy auch Details überarbeitet. So seien die Deckenlampen in der aktuellen Version des Gemäldes erloschen, und die Banane in der Hand eines Schimpansen zeige nach unten statt nach oben.

In den vergangenen Wochen gewann das Gemälde dann angesichts der hitzigen Parlamentsdebatten seit dem Antritt von Premierminister Boris Johnson erneut an Aktualität. "Was wir in den vergangenen Wochen und Monaten im Unterhaus gesehen haben, ist zu einer täglichen Seifenoper geworden", sagte Alex Branczik von Sotheby's. Mit dem Gemälde zeige Banksy den Rückschritt der ältesten parlamentarischen Demokratie in eine Welt von "tribalistischem, animalischem Verhalten".