Der Juwelendiebstahl aus dem historischen Grünen Gewölbe in Dresden war nach Überzeugung der Ermittler "eine zielgerichtete und vorbereitete Tat". Das sei kein "normaler" Einbruch gewesen, dafür sprächen die Umstände insgesamt, sagte der Leiter der Sonderkommission "Epaulette", Kriminalrat Olaf Richter. Sicher sei man sich nun auch, dass ein nahe der Autobahn in einer Tiefgarage in Brand gesetzter Wagen das Fluchtfahrzeug war. Im Wrack seien Spuren vom Tatort gefunden worden. Ein Feuer in einem Stromverteilerkasten in der Nähe des Museums stehe ebenfalls mit dem Einbruch in Verbindung. Er sei vorsätzlich angezündet worden, worauf die Straßenbeleuchtung in der Umgebung ausgefallen sei.

Zwei Unbekannte waren am Montagmorgen in das streng gesicherte Museum im Residenzschloss eingedrungen und hatten zahlreiche Schmuckstücke mit Diamanten und Brillanten gestohlen. Sie stiegen über eines der vergitterten Fenster von der Straße her ein und gingen dann gezielt ins Juwelenzimmer. Auf einem von der Polizei veröffentlichten Überwachungsvideo sind zwei Einbrecher zu sehen, die mit Taschenlampen den dunklen Raum betreten und mit einer Axt auf die Vitrine einschlagen und versuchen, sie aufzubrechen. Mit einer noch unbekannten Menge an Juwelen konnten sie nach nur wenigen Minuten flüchten.

Der kaufmännische Direktor des Grünen Gewölbes, Dirk Burghardt, verteidigte das Vorgehen des Sicherheitspersonals. Einer der beiden Wachleute habe sich dafür entschieden, die 110 zu wählen und nicht den Alarmknopf zu drücken. Dieser signalisiere nur, dass etwas nicht in Ordnung sei. Dank des direkten Drahts zur Polizei habe das Gespräch gleich aufgezeichnet werden können. Innerhalb "kürzester Zeit" hat es laut Burghardt drei Alarmierungen gegeben, zudem habe der Täter mit "brachialer Gewalt" auf die Vitrine eingeschlagen. Angesichts dieser Situation habe sich der Wachmann dafür entschieden, nicht zum Tatort zu gehen, sondern die Polizei am Diensteingang in Empfang zu nehmen.

"Die Täter sind mit hoher krimineller Energie und Vorsatz an den sächsischen Staatsschatz herangetreten", sagte der Technische Leiter der SKD, Michael John. Der Angriff sei in außergewöhnlicher Weise vor- und nachbereitet worden. Aus diesem Grund gehe man auch von Insiderwissen aus. Es wäre schrecklich, wenn es einen Mittäter innerhalb der  Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) gäbe, sagte Generaldirektorin Marion Ackermann.

Für die Museumsleitung ist nach wie vor unklar, was und wie viel gestohlen wurde. Auch aufgrund der Polizeifotos von der geplünderten Vitrine sei nicht gesichert, welche Stücke fehlen, sagte Direktor Dirk Syndram. "Ich weiß, dass einige Objekte nicht an ihrem Platz sind. Aber ich kann nicht sagen, wie es auf dem Boden der Vitrine aussieht." Leer sei sie nicht, sie zeige ein "Kampffeld". Klarheit könne nur eine Bestandsaufnahme bringen, die noch aussteht. Anhand von Tatortbildern der Polizei waren fehlende Objekte identifiziert worden, darunter prominente Kostbarkeiten. Die Handyfotos bergen allerdings viele Unklarheiten, sagte Syndram. Klar sei aber, dass es viel mehr als die zehn Teile der Brillant- und Diamantgarnituren sind.

Täter wollten offenkundig ihre Spuren verwischen

Die Juwelen in dem Schatzkammermuseum, das Sachsens Kurfürst August der Starke (1670-1733) eingerichtet hatte, sind laut Syndram für das Museum unersetzlich und für die Diebe unverkäuflich. Anhand von Polizeifotos konnte er sehen, dass prominente Stücke der Brillant- und Diamantrosengarnitur sowie vom Brillantschmuck der Königinnen fehlen wie die Große Brillantschleife. Syndram vermutet, dass sie schon nicht mehr in Dresden ist. Er geht davon aus, dass Profis am Werk waren, aber: "Es sieht eher so aus, dass sie reingegangen sind und so schnell gegriffen haben, was sie konnten." Anschließend wollten die Einbrecher offenkundig ihre Spuren mit Feuerlöschpulver verwischen, so Syndram. Davon seien etwa Perlen betroffen. Es müsse nun geschaut werden, "wie sie das überstanden haben".

Neben der Spurensuche am Tatort muss geklärt werden, wie ein solcher Coup gelingen konnte – trotz der Sicherheitsmaßnahmen. Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, wies darauf hin, dass Museen in Deutschland im Zwiespalt zwischen Sicherung der Objekte und Zugang für die Öffentlichkeit steckten. "Wir sind eben kein Banksafe. Und das bringt ein gewisses Risiko mit sich", sagte er. Zudem gibt es laut Köhne "eine spezielle Art von Kriminalität mittlerweile, die einem wirklich Sorgen macht". Da seien keine Trickdiebe unterwegs, sondern es werde mit roher Gewalt vorgegangen. "Das ist eine Qualität, der man begegnen muss."

Die Wachmänner im Grünen Gewölbe griffen wegen des brutalen Vorgehens der Täter beim Einbruch in die Schatzkammer nicht ein. Ein solcher Eingriff sei immer eine Ermessensfrage, teilte die Leitung SKD mit. Im konkreten Fall hätten sich die beiden Wachleute entschieden, die Polizei zu informieren und auf deren Eintreffen gewartet. Anders als zunächst bekannt gegeben, sind die Wachleute bewaffnet. Details wurden aber nicht genannt.