Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat die deutsche Gesellschaft erneut harsch kritisiert. Das Land sei intolerant, bigott und autoritär, sagte der 62-Jährige dem Guardian. Deutschland biete kein gutes Umfeld für Ausländer. "In Großbritannien sind die Menschen wenigstens höflich", so Ai Weiwei. Das treffe auf Deutschland nicht zu. "Sie haben eine tiefe Abneigung gegen Ausländer."

Ai Weiwei lebte von 2015 bis vor wenigen Monaten in Berlin, wo er noch immer ein Atelier hat. Inzwischen ist er in die englische Universitätsstadt Cambridge übergesiedelt – vor allem wegen seines zehnjährigen Sohnes, sagte Ai Weiwei nun dem Guardian. Für den erhofft er sich in Großbritannien eine gute Ausbildung und mehr Sicherheit. "Ich will nicht, dass er in rauen Bedingungen aufwächst."

Der Künstler beschrieb die Deutschen zudem als obrigkeitshörig. "Ich mag ein Land oder eine Kultur nicht, die sich so sehr den Autoritäten beugt." Ähnlich wie in China hätten sich die Deutschen damit abgefunden, unterdrückt zu werden. Der Nazismus sei noch immer da und zwar in Form eines Überlegenheitsgefühls für die eigene Sicht auf die Welt.

Ai Weiwei hatte sich zuvor bereits über Erfahrungen mit rassistischen Mikroagressionen in Deutschland geäußert. So sei er etwa mehrmals in Berlin wegen Kleinigkeiten aus Taxis geworfen worden. Einmal weil er sich geweigert habe, das Fenster zu schließen, ein anderes Mal, weil er telefoniert habe.

Durch seine Arbeiten hat sich Ai Weiwei als einer der deutlichsten Kritiker von Menschenrechtsverletzungen in China hervorgetan. 2011 wurde er wegen seiner regimekritischen Kunst in Peking verhaftet und für mehrere Jahre unter Arrest gestellt. Seit 2004 hatte Ai Weiwei an die hundert Museen mit immer neuen, immer ähnlichen Werken beliefert. Da die Behörden seinen Pass eingezogen hatten, konnte der Künstler jedoch bis 2015 nicht mehr ausreisen. Im Sommer des gleichen Jahres konnte Ai Weiwei schließlich wieder ausreisen. Er nahm eine Gastprofessur an der Universität der Künste (UdK) an und befindet sich seitdem im Exil.