Gegen den Buchpreis zu sein, ist keine große Kunst. Es gehört ja mittlerweile fast schon zum guten Ton. Die publikumswirksame Macht des Preises gilt als verheerend, seine vermeintliche Orientierung an einem massentauglichen Geschmack als fatal. Der kulturkritische Impetus, der diesen Argumenten innewohnt, ist altbekannt und wie so häufig kommt man schwerlich um den Eindruck herum, dass er sich hier wieder einmal selbst im Wege stehen könnte. Denn wer kann ernsthaft etwas dagegen haben, dass der Literatur, deren Schwinden in der öffentlichen Wahrnehmung ständig beklagt wird, durch eine Einrichtung wie dem Buchpreis etwas mediale Aufmerksamkeit und, nun ja, womöglich etwas Glamour zuteil wird? Wer den Buchpreis bekommen hat, das weiß sogar meine Schwiegermutter.

Und eben nicht nur das: Gegenwartsliteratur wird auf diese Weise insgesamt etwas, für das überhaupt mal wieder das Interesse von Menschen geweckt wird, die nicht zu den regelmäßigen Besuchern von Belletristik-Abteilungen gehören. Dass das zwangsläufig zu einer Konventionalität der Preisträger führen muss, kann man spätestens seit dem Vorjahressieger Uwe Tellkamp zu den Akten legen. Viel befremdlicher ist doch eher das umgekehrte Phänomen, etwa beim Büchner-Preis, wo es langsam zur Regel wird, dass Autoren ausgezeichnet werden, die selbst manchem Kritiker kein rechter Begriff sind.

Fast noch schlimmer als der Buchpreis selbst sind in den Augen seiner Kritiker aber ja ohnehin die Long-, vor allem aber die Shortlist. Nur, wer es auf diese Listen schaffe, heißt es, mit dem werde sich das Feuilleton in den Wochen bis zur Vergabe des Preises auseinandersetzen. Ob das tatsächlich so ist, müsste man erstmal nachprüfen. Zweifelsohne ist es so, dass die Veröffentlichung der Listen zur Folge hat, dass sich mit ihnen auseinandergesetzt wird, zustimmend oder ablehnend. Denn jeder will im Vorfeld der Entscheidung natürlich etwas symbolische Politik betreiben. Das aber muss den nominierten Autoren nicht unweigerlich zum Vorteil gereichen.

Das ändert allerdings nichts daran, dass die Nominierungen, gerade was den Buchhandel angeht, großen Einfluss haben. Die Frage aber ist, wie man damit umgeht. Die immerwährende Klage darüber, dass große und ohnehin mit Werbeetat gut ausgestattete Verlage wie S. Fischer oder Carl Hanser überdurchschnittlich oft nominiert und in der Folge in den Buchhandlungen bevorzugt präsentiert würden, wirft dabei ein symptomatisches Licht auf die Verlagslandschaft. Während die kleinen Verlage offensiv und kreativ reagieren – man veröffentlichte gerade mit der Hotlist der unabhängigen Verlage ein Gegenprogramm zum Buchpreis – sind es wieder einmal die mittelgroßen Verlage, die auf der Strecke zu bleiben scheinen, weil sie sich weder hier noch dort ins Spiel zu bringen verstehen. Der Buchpreis ist ein Aufmerksamkeitsstimulator. Einer, der nicht immer nach ganz fairen Regeln arbeiten mag. Die Kunst besteht darin, sich diese Stimulation zunutze zu machen.