ZEIT ONLINE: Herr von Düffel, sie haben Émile Zolas großen Roman Das Geld für die Bühne adaptiert. Wie passend zur gegenwärtigen Finanzkrise!

Von Düffel: Es gibt drei, vier aktuelle Produktionen, die sich mit dieser Zeiterscheinung befassen. Ich erlebe es allerdings gerade umgekehrt, dass Menschen, auch Politiker und Geschäftsleute, zu einem kommen und fragen: Warum machen Sie denn nichts zur Finanzkrise? Warum beziehen Sie nicht Stellung? Ich glaube, die Erwartung an die Bühnen ist groß, sich dazu in irgendeiner Weise zu verhalten oder dem Zuschauer mit diesem Thema ein Forum bieten, in der er Wut oder Leidenschaft entwickeln kann.

ZEIT ONLINE: Der Roman erzählt vom gierigen Spekulanten Saccard. Von der Gründung einer Bank.

Von Düffel: Die Universalbank, ja. Und bewahrheitet damit alle Vorurteile, die Bertolt Brecht in diesem wunderbaren Satz zusammen gefasst hat: "Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank." Die kriminelle Energie, die dort verwendet wird und die Art und Weise, wie mit dem Geld anderer Leute Geschäfte gemacht werden und das Geld auch vernichtet wird, und damit auch deren Existenz und Ersparnisse – das trifft es schon sehr.

ZEIT ONLINE: Somit lässt sich die Situation mit heute vergleichen?

Von Düffel: Es ist eine ähnliche Lage. Das Interessante ist, dass in diesem Fall Zolas Hauptfigur für uns ein rotes Tuch ist, ein Feindbild geradezu. Gleichzeitig steht sie im Zentrum der Geschichte. Nicht nur Feindbild, sondern auch Held. In gewissen Momenten können wir den Spekulanten beinahe sympathisch finden.

ZEIT ONLINE: In unseren Zeiten mittlerweile fast undenkbar.