Die Archive der Verlage Suhrkamp und Insel (Frankfurt) kommen im Dezember in das Deutsche Literaturarchiv Marbach. Manuskripte und Korrespondenzen berühmter Autoren wie Ingeborg Bachmann, Peter Handke, Martin Walser, Max Brod, Paul Celan, Hermann Hesse und Ricarda Huch sowie das Autorenarchiv von Uwe Johnson sollen in die Stadt am Neckar gebracht werden. Darauf habe man sich in einem Vorvertrag geeinigt, teilten Verlag und Archiv mit. Die Kaufsumme wurde nicht genannt.

Ulrich Raulff, Leiter des Literaturarchivs Marbach, sagte, dass die Entscheidung für Marbach nicht aus finanziellen Gründen getroffen worden sei. Auch Mitbewerber Frankfurt habe viel Geld geboten. Nach Raulffs Angaben kommen die Mittel für die beiden Archive vom Land Baden-Württemberg, vom Bund, aus Stiftungen und von privaten Sponsoren. In den Medien wurde spekuliert, dass der Verlag Suhrkamp das Geld für den Anfang Januar 2010 geplanten Umzug nach Berlin benötigt.

In der Größe und Qualität können wir uns nach der Neuerwerbung im internationalen Vergleich mit einer Handvoll von Spitzenarchiven messen.
Ulrich Raulff, Leiter des Literaturarchivs Marbach

Der Frankfurter Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl sagte, dass der Stadt mit den Archiven ein "großer intellektueller und kultureller Schatz" verloren gehe. Ein solches Archiv dürfe seiner Ansicht nach nicht aus dem geistigen und kulturhistorischen Entstehungszusammenhang herausgerissen werden. Die Hochschule und das Literaturarchiv hätten aber eine Zusammenarbeit bei Erschließung und Erforschung der Archive vereinbart.

Mit der Übergabe des Materials soll der optimale Erhalt der Dokumente gewährleistet werden. Außerdem erwartet der Verlag, dass das Archiv das Material zügig erschließt und der Forschung und der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Raulff verwies auf die literaturwissenschaftliche und geistesgeschichtliche Bedeutung der Archive. Der Kauf des Bestandes sei allenfalls mit der Übernahme des wichtigsten Archivs des 19. Jahrhunderts, des Archivs der Cottaschen Verlagsbuchhandlung, im Jahr 1952 vergleichbar. Das Cotta-Archiv umfasst mehr als 150.000 Briefe zwischen dem Verlag und seinen Autoren. Nach Raulffs Angaben übertrifft die Neuerwerbung diese Zahl noch deutlich.

Die Suhrkamp- und Insel-Archive werden als eigene Abteilung unter dem Namen Siegfried Unseld Archiv geführt. Unseld (1924-2002) war nach dem Tod des Verlagsgründers Peter Suhrkamp alleiniger Geschäftsführer des Unternehmens. Er gilt als einer der wichtigsten Verleger deutschsprachiger Nachkriegsliteratur. Unseld pflegte einen regen Austausch mit seinen Autoren und beeinflusste nach Raulffs Angaben auch die Entstehung ihrer Werke. Reiseberichte, die er von seinen Besuchen bei den Schriftstellern verfasste, werden künftig auch in Marbach gelagert.

Das Literaturarchiv Marbach wurde am 12. Juli 1955 gegründet. Es beherbergt Zeugnisse der deutschsprachigen Literatur von der Aufklärung bis zur Gegenwart sowie Manuskripte, Bücher und andere Dokumente. Der Bestand wird für Forschung und Öffentlichkeit erschlossen. In Marbach lagern unter anderem bereits die Archive der Verlage S. Fischer, Rowohlt, Luchterhand, Piper, März, Diederichs und Claassen.