Im Machtkampf bei Suhrkamp hat Joachim Unseld jetzt aufgegeben: Der 56jährige Verleger hat seine Anteile an dem Unternehmen an die beiden Mehrheitsgesellschafter verkauft, bestätigte Verlagssprecherin Tanja Postpischil. Angaben über den Verkaufspreis machte sie nicht.

Damit dürfte auch dem geplanten Umzug des Suhrkamp Verlags von Frankfurt nach Berlin nichts mehr im Wege stehen. Suhrkamp hatte im Februar bekannt gegeben, dass der Verlag nach 60 Jahren in Frankfurt am Main seinen Stammsitz nach Berlin verlegen werde. Der Umzug ist für Anfang 2010 geplant.

"Joachim Unseld hat sich für Lebensqualität entschieden und eine Auseinandersetzung, die auch groteske Züge hatte, beendet", sagte Suhrkamp-Minderheitsgesellschafter Hans Barlach dem Börsenblatt des deutschen Buchhandels. "Wenn ihr umzieht, steige ich aus", das sei von Beginn an Unselds Position gewesen.

Wie teuer dieser Ausstieg für die beiden anderen Gesellschafter werden würde, darüber sei "nicht gepokert worden". Joachim Unseld habe sich sehr fair verhalten. Unseld habe als Minderheitsgesellschafter die Möglichkeit gehabt, den Umzug zu verhindern: "Der Verlag wäre nicht umgezogen", sagt Barlach. Ein Ortswechsel gegen das Votum des Minderheitsgesellschafters Unseld hätte hohe, nicht wieder gut zu machende finanzielle Forderungen nach sich gezogen.

Joachim Unseld gehörten 20 Prozent des Hauses, die jetzt zu gleichen Teilen an Siegfried Unselds Witwe, Ulla Unseld-Berkéwicz, und die Medienholding AG Winterthur von Hans Barlach gehen. Diese hält nun 39 Prozent des Verlags, Unseld-Berkéwicz die restlichen 61 Prozent.

Auch der Streit über den Verkauf des Suhrkamp-Archivs an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach ist mit dem Verkauf der Anteile beigelegt. Joachim Unseld hatte auch hiergegen geklagt. Die Archive der zur Gruppe gehörenden Verlage Suhrkamp und Insel beinhalten Manuskripte und Korrespondenzen berühmter Autoren wie Ingeborg Bachmann, Peter Handke, Martin Walser, Paul Celan, Hermann Hesse und Ricarda Huch. Experten taxieren den Wert der Sammlung auf fünf bis sieben Millionen Euro.

Siegfried Unseld (1924-2002) gilt als einer der wichtigsten Verleger deutschsprachiger Nachkriegsliteratur und hatte einen regen Austausch mit seinen Autoren. Nach dem Tod des Verlagsgründers Peter Suhrkamp hatte Unseld das Unternehmen als alleiniger Geschäftsführer geleitet. Das Suhrkamp Archiv gilt als wesentlicher Bestandteil des geistigen Erbes der Bundesrepublik.