Geschichte lässt sich nicht eins zu eins wiederholen und Erfahrungen in einem Kulturkreis lassen sich auch nicht einfach auf einen anderen übertragen. Dass Frauenrechtlerinnen in islamischen Ländern aber zu anderen Auffassungen kommen können als die Alice Schwarzers im Westen, lässt Seyran Ates nicht gelten. "Einige sagen, es gebe wichtigere Probleme zu lösen, andere meinen, man solle es den Frauen selbst überlassen, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht." Wer Kopftuch trägt, ist für Ates aber per se eine Komplizin der Fundamentalisten. Ates plädiert letztlich für eine liberale Zwangsbeglückung der Muslime. Atatürk hat es in der Türkei vorgemacht und den Männern Turbane und den Frauen Kopftücher verboten. Manchmal geschehen Veränderungen aber auf leisen Wegen. Und gehen dann tiefer und halten länger vor.

Seyran Ates: Der Islam braucht eine sexuelle Revolution: Eine Streitschrift. Ullstein Verlag, Berlin 2009. 219 Seiten, 19,90 Euro.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 01.02.2010)