Vor knapp zehn Jahren ging Buffy Summers tanzen: Sie war gerade Anfang 20 und noch nicht lange wieder von den Toten auferstanden. Die junge Vampir-Jägerin hatte sich geopfert, um die Welt zu retten. Erst Monate später erweckte ein Zauber sie zum Leben. Es war kein gutes Jahr: Ihr Freund war fort, ihre Mutter tot. Überall lagen unbezahlte Rechnungen. Das Studium hatte sie auch abgebrochen. Als sie sich alleine durch die Friedhofserde gewühlt hatte. "Ist das die Hölle?" Nur der Vampir Spike verstand Buffys Geworfenheit und ihren plötzlichen Weltekel. Seit Jahren hatte Buffy gegen ihn gekämpft. Jetzt aber trafen sie sich heimlich: In einer Disko trat er aus dem Schatten und hob ihren Rock. Die beiden hatten freudlosen und stummen Sex, hoch über der Tanzfläche.

Ein Tiefpunkt für die Heldin, aber ein Höhepunkt der Serie: Buffy und Spike, der Vampir und die Jägerin, das ist eines besten Sinnbilder für die Dynamik einer schlechten Beziehung. Vielen Fans wurde Spike, weißblond, spöttisch und kühl, trotzdem schnell zum romantischen Helden: "Muss ich mich selbst aufgeben, um den Vampir zu lieben?" "Bin ich kaputt, weil ich die Nähe eines Mannes suche, der mich zerstören will?" Die Serie löste diese Frage, indem Spike fortging, Buffy verließ, Sühne tat, sich eine eigene Seele erkämpfte und ihr schließlich auf Augenhöhe neu begegnen konnte. Ein guter erster Schritt, um die Vampir-Machos komplexer und klüger zu machen.

Doch seitdem werden nicht sehr oft die Blutsauger facettenreicher, sondern die Menschenmädchen dümmer: 2005 startete Stephenie Meyers Romanserie Twilight und nudelte den ganzen Konflikt noch einmal durch, ebenso drängend, aber viel zuckriger und jugendfrei erzählt. In vier Romanen schwärmt die Schülerin Bella gegen ihre Vernunft für den Vampir Edward . Ein ganzes Genre Jungmädchenschmöker folgte Meyers Romanen auf die Bestsellerlisten. Mit Buffys Pop-Feminismus haben diese Bücher manches gemeinsam. Aber es gibt auch große Unterschiede.

Diese sogenannten Paranormal Romances folgen einer klaren Formel: Sie spielen fast immer in der Gegenwart und auf dem platten Land. Eine oft unerfahrene, etwas naive Ich-Erzählerin trifft einen wortkargen und klassisch maskulinen Mann. Obwohl die Frau erzählt, steht dieser Mann im Rampenlicht: Er ist ein Werwolf oder ein Vampir und hat gelernt, wie man mit schierer Willenskraft, Lebenserfahrung und Klasse den Blutdurst und die sexuellen Atavismen bremst.

Die Frau ist unbeherrschter. Sie handelt kopflos und sie weiß nicht, was sie will. Erst, wenn sie von ihm lernt, sich selbst zu zügeln, verdient sie damit seine Liebe: In keinem anderen Genre gibt es so viele Trainingsstunden, Tests, Prüfungen und Pygmalion-Momente. Ohne den fremden Mann als Spiegel und Selbstversicherung erkennen diese Frauen weder sich selbst noch sind sie in der Lage, ihr Potenzial zu nutzen.