Der spanische Schriftsteller Miguel Delibes ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er sei in seiner Geburtsstadt Valladolid im Norden des Landes einer schweren Krankheit erlegen, teilte seine Familie mit. Der Autor litt nach Medienberichten an Darmkrebs. Delibes war einer der bedeutendsten Literaten Spaniens des 20. Jahrhunderts. Er galt als einer der Hauptvertreter des sozialen Realismus.

Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero würdigte Delibes angesichts seiner während der Franco-Diktatur (1939-1975) erschienen Bücher als "die Stimme eines zum Schweigen verurteilten Landes". In seinen Werken habe er dem Volk aus der Seele gesprochen. Auch Spaniens König Juan Carlos sprach der Familie sein Beiled aus.

Delibes galt als einer der Hauptvertreter des sozialen Realismus. In seinen Werken hat er immer wieder das ländliche Milieu mit seinen Werten aber auch mit dem großen Elend während der Diktatur porträtiert. Viele von Delibes' fast 70 Büchern sind heute an spanischen Schulen Pflichtlektüre.

Zu seinen wichtigsten Werken zählen: Und zur Erinnerung Sommersprossen, Die Ratten, Fünf Stunden mit Mario, Die heiligen Narren und Der Ketzer. Einige seiner Romane wurden auf die Bühne gebracht oder verfilmt. Delibes wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Cervantes-Preis und dem Nationalen Literaturpreis. Im Jahr 1990 hatte er die Ehrendoktorwürde der Universität des Saarlandes erhalten.

Ursprünglich wollte der aus Valladolid in Nordspanien stammende Delibes gar nicht Schriftsteller werden. Wie sein Vater hatte er Jura studiert. Zur Literatur fand er über den Umweg des Journalismus: 1941 fing er als Karikaturist bei Spaniens ältester Regionalzeitung, "El Norte de Castilla" an, deren Chefredakteur er später wurde. Wegen seiner liberalen politischen Linie und seines Engagements für die verarmte Landbevölkerung zwangen ihn die Zensoren der Franco-Diktatur 1963 zum Rücktritt. Dabei hatte er sich als junger Mann während des Bürgerkrieges (1936-1939) noch aufseiten der Franco-Truppen freiwillig zur Marine gemeldet.

Seine große Inspiration, sagte er, sei seine Frau Ángeles gewesen, mit der er sieben Kinder bekam. Er heiratete sie 1946. Ihr früher Tod mit nur 50 Jahren stürzte Delibes 1974 in eine tiefe persönliche und künstlerische Krise, von der er sich nie richtig erholt hat. Der ohnehin menschenscheue Autor zog sich noch mehr zurück. "Allein ihre
Anwesenheit machte jeden Lebenskummer erträglicher", schrieb er über sie. "Sie war meine zweite Hälfte." Sein Werk Frau in Rot auf grauem Grund, das 1991 erschien, widmete er ihr. 

Schon im Jahr 2007 war der Zustand des Autors schlecht. Als passionierter Jäger setzte sich Delibes auch zeitlebens für den Naturschutz ein. "Wir sind dabei, unseren Planeten zugrunde zu richten", kritisierte er. Dieses Engagement gab er auch an seine Kinder weiter: Vier der sieben sind Biologen. Seinen letzten Roman, "Der Ketzer", veröffentlichte er 1998. Am selben Tag, als er das Manuskript des gefeierten Buches bei seinem Verleger abgab, wurde bei ihm Darmkrebs festgestellt. "An jenem Tag bin ich als Schriftsteller gestorben", sagte er.