Schwer zu sagen, ob das nun die besten Texte des literarischen Nachwuchses sind, die am Samstag in Berlin schnell inszeniert wurden. Überhaupt schwer zu sagen, ob die Auswahl der Stücke von Laura Naumann, Julia Kandzoras, Carsten Brandau und Katharina Schmitt nicht vielleicht mehr Ausdruck derjenigen ist, die sie ausgewählt haben. Aufgerufen hatte das Deutsche Theater Berlin, Austragungsort sind die Autorentheatertage. In gerade mal zehn Tagen und mit ganz wenig Geld für das Bühnenbild wurden die Stücke inszeniert, und zwar von bekannten Regisseuren und Schauspielern des Deutschen Theaters. Das muss man wissen, bevor man sich das ganze näher ansieht, weil gerade durch die Kurzfristigkeit etwas ganz besonderes auf die Bühne kam: Spaß.

Wenn auch die Töne, die Umstände, das ganze genaue Wie bei den vier aufgeführten Texten ganz unterschiedlich waren, ist das Warum, sind sich die Themen, auch die Beschwerden ziemlich ähnlich. Da ist diese Unverbindlichkeit, uferlose Kälte, das wenig Menschliche von heute. Überhaupt: Alles so festgefahren. Und dabei fiel nur einmal das Wort "Generation", nämlich im ersten Stück In Neon von Julia Kandzora, die sagen lässt, dass es nämlich gar keine Generation mehr gäbe. Früher vielleicht. Vielleicht! Aber heute sei das ja total ausgefranst. Eine Generation kann sich selbst nicht mehr sehen.

Kandzora bekommt großen Applaus. Oder der Regisseur Simon Solberg, der per Videoinstallation und Bettwäsche die Depression inszeniert. Oder Felix Goeser, Ole Lagerpusch und die großartige Susanne Wolff. Mit zu groß gebastelten Styropor-Füßen stolpert sie über die Bühne und sagt Sätze wie: "Winter, Frühling, immer das gleiche. Aber ich steig aus." Die Verhältnisse, sie fühlen sich schon an wie Naturgewalten.

Eine dieser Naturgewalten, eine der schrecklichsten, ist ja auch dieses Jungsein. Jedenfalls, wenn man glaubt, was Laura Naumann, als Autorin schon hochdekoriert und gerade 20 Jahre alt, über die Clique schreibt, die sich in der Provinz an nur zwei Dinge klammern kann: die Bushaltestelle und ihre Zukunft. Während ihr Stück als Text etwas wirklich gewaltiges hatte, macht die Regie etwas daraus, was an Schultheater erinnert, wo die Schauspieler immer an den Bühnenrand nach vorn gehen müssen, um etwas zu sagen und wo das Bühnenbild entweder total überladen oder fantasielos ist.

In diesem Fall muss der BMW, der auf die Bühne gerollt wurde, eine Aussage haben. Das ist irgendwie hingeschludert. Das ist aber auch eine hingeschluderte Zeit, diese Jugend. Da ist man selbst in die Welt geschludert und weiß selbst nicht, was man machen soll mit einem BMW und sich selbst. Einsteigen? Oder aussteigen? Wahrscheinlich schnell da wegfahren aus der Pubertät, aus dieser Halbwelt, aus der Human-Werkstatt.

Eine Woche vorher lasen die vier Autoren Auszüge ihrer Stücke selbst beim sogenannten Open Mike des Deutschen Theaters. Man muss sagen, dass das wenig spektakulär war, dass drei von den vier Texten ziemlich müde waren und in den Bühnenvariationen kaum etwas davon zu finden war. In der Inszenierung dann alles ganz anders, ganz laut, toll, schnell und ordentlich unfreundlich. Es ist deshalb auch schwer zu sagen, ob das, was man gesehen hat, nicht vielmehr durch die Inszenierung eine Dimension bekommt.

Also der Abend ist gar nicht so sehr einer des Nachwuchses, als vielmehr der Abend von Regisseuren, zumal vier bekannter Namen wie Sebastian Hartmann, der Katharina Schmitts Sam bearbeitet. Ein Mann isoliert sich selbst und sperrt sich für ein Jahr in einen Käfig ein. Inspirieren ließ sich die Autoren von einer Performance des Künstlers Tehching Hsieh. Hartmanns Inszenierung kommt mit zehn Sätzen und ihrer gefühlten 300-maligen Wiederholung aus. Auf der Bühne Soundelemente, Samuel Finzi und die Frage "Glauben Sie an die Bedeutung ihrer persönlichen Lebenszeit?" Die Bearbeitung gehört zum Besten, was an dem Abend gezeigt wird. Großes Theater!