Unter Fremdsprachenlehrern dürfte es Einigkeit geben, dass Schüler nichts interessanter finden als Schimpfwörter. Kein Gerundium, keine korrekte Verwendung des Präteritums erscheint so reizvoll wie die angemessene Übersetzung jener Vokabeln, die Sprachen in ihren Schmuddelecken verstecken. Das ist die Zumutung, mit der Bildungssysteme leben müssen. Und wie zur Strafe haben sie sich Lehrbücher ausgedacht voller harmonischer Geschichten, in denen Pete und Jane, Jacques und Francoise spazierend, pizzabestellend, einkaufend und luftpumpesuchend Schülern die Sprache näher bringen. Doch was hilft's, wenn man weiß, was Busfahrer heißt, ihn aber nicht beschimpfen kann, falls er einem vor der Nase wegfährt.

Die Cornelsens, Schroedels, Westermänner und Kletts in den Klassenzimmern haben diesen mithin nützlichen Alltagsbezug stets vernachlässigt. Nun liegt ein Buch vor, auf das Millionen von Schülern in Goethe-Instituten gewartet haben könnten. Florian Lamp und Heldrich Johannes haben Deutsch für den Ausländer verfasst, auf dessen Rücken eine "Kultus-Ministerin eines großen deutschen Flächenstaats" hochtourig schwärmt: "Nach über 10.000 Jahren des Sprachen-Lernens endlich ein völlig neuer Ansatz! Danke, Ihr Hurensöhne!" In 17 Kapiteln, auf mehr als 250 Seiten festen Papiers portioniert sich dieser muntere Lehreralbtraum. Hier wird gekotzt, gepöbelt, gesoffen, geraucht und geschimpft – in sämtlichen grammatischen Formen und plusquamperfekten Sperenzchen.

Natürlich ist das Satire, aber mit didaktischem Ernst! Das Lehrbuch folgt einem strengen Schema. Wir müssen Imperative und Superlative bilden, Plural und Singular üben, Konjugieren, Uhrzeiten in Worte fassen und Artikel bestimmen. Lebensweltliches haben die Autoren in kurzen Geschichten zusammengestellt, die aus dem Alltag einer "deutschen Normalfamilie" berichten. Von Arbeitsamt, Eckkneipe, Castingshow und Hobbykeller, mitsamt dem situativ passenden Vokabular.

In Transferaufgaben und Bilderrätseln wird das Wissen späterhin gefestigt und vertieft, soviel edukative Sorgfalt muss sein. Stets warten neue Sätze auf ihre Vervollständigung. Das geht frivol: "Eves Brüste gefallen dem/der Mann." Oder auch als gehobener Bildungsdünkelkalauer: "Gott widerspricht ________ Nietzsche". Man lernt nicht nur Deutsch, man lernt fürs Leben: Was ist eine Ketwurst, was ein Oliba, wie kauft man weltgewandt Heroin, und wie bildet man aus diesen Wörtern einen flotten Satz?

Das hat zugegeben unterschiedliche Lustigkeitsstufen, die mit zotigen Pennälerfantasien anfangen, aber bisweilen bei herrlich groteskem Blödsinn enden. Zum Dativ etwa lese man folgendes Beispiel: "Fritz kauft seiner Freundin ein Atom-U-Boot." Ein solcher Baukastensatz erinnert nahezu an Eugene Ionescos absurde Großtaten, als er die Leerformeln solcher Sprachbücher mit Formulierungen wie "Ich erwarte den Aquädukt zu Besuch in meiner Mühle" auf die Bühne brachte.

Nun ist dieses Buch kein literarisches Drama und trotz der unterhaltsamen Anarchie und der augenscheinlichen Mühe der Autoren bleibt es die Parodie eines Lehrbuchs. Formal womöglich eine Alternative für den progressiven Deutschunterricht fern von Pisa. Für einen Witz aber viel zu lang. Was aber nichts macht, wie es im "Thanksgiving" übertitelten Kapitel bescheiden heißt: "Wir freuen uns, wenn Sie sich an dem Buch freuen, wenn Sie sich aber nicht freuen, dann freuen wir uns trotzdem."

Das war ein ____________-Satz. Und wer das jetzt nicht wusste, dem sei das Buch hiermit in Maßen empfohlen.