"I shit in the downstairs bathroom of my parent’s house / it has wood paneling / I wipe my vagina and ass and it hurts a little / There is a speck of blood, a speck of smeared shit and a small blob of cum / I look at my shit / it reminds me of chunks of high quality marijuana / but in a brownish mustard color / I see something that is shaped like a cashew and feel / confused because / I haven’t eaten cashews in a long time."

Wie man im Stehen pinkelt, weiß Kennedy von dort, wo derlei detaillierte Anweisungen zur Lebenspraxis herkommen: "I once knew a girl form the internet who googled directions on how to pee standing up / I don’t know why I thought this poem would be a good idea / I am embarrassed", schließt sie in eben so unironischer wie unendlicher Distanz zum eigenen Text.

Auch in den Erzählungen von Tao Lin, dessen Gute Laune Roman bereits auf Deutsch vorliegt, sind die Protagonisten ständig damit beschäftigt, ihre auf Microsoft Word geschriebene Poesie zu archivieren und sich in Chatrooms rumzutreiben. Seine jüngste Novelle handelt von einem Diebstahl bei der Bekleidungskette American Apparel, was auf einer wahren Geschichte beruht, welche der Autor zuvor für das Vice Magazine kolportierte.

Der Text ist gespickt mit ironischen Verweisen auf die faire Behandlung der Arbeitnehmer durch American Apparel und auf die Vorliebe für veganes Essen, welche der Delinquent mit dem Besitzer des Geschäfts teilt. Trotzdem hat der Diebstahl einen unfreiwilligen Gefängnisbesuch des Autors zufolge, der dort eine Reihe merkwürdiger Gespräche mit den anderen Insassen führt. Schließlich träumt der Ich-Erzähler davon, die Geschichte mithilfe einer Microsoft-Anwendung ins Präsens zu setzen: "I want to change my novel to present tense. Is there some Microsoft Word thing to do that?"

Schon lange gab es solche Spekulationen darüber, wie Internet und Computer die Literatur verändern würden. Während der neunziger Jahre wurde etwa die Form der nicht-linearen Erzählstruktur unter Anwendung von Hyperlinks im Text diskutiert und ausprobiert, was sich aber in der Praxis niemals durchsetzen konnte. In der zeitgenössischen Realität zeigt sich dagegen ein Verhältnis zwischen Literatur und Internet, das zugleich banaler und intimer ist, als es sich die Pioniere der Netzliteratur erträumen konnten: Netz und Computer sind weniger Spielwiesen der Avantgarde als vielmehr Realitäten, denen Autoren gerade in ihrer Eigenschaft als Textarbeiter nicht entgehen können. Die Frage danach, was die Literatur mit der Technik anstellt, hat sich zur Frage gewandelt, was die Technik mit der Literatur macht. Den hier vorgestellten Schriftstellern hört man eine Lust an der neuen Passivität des Autors gegenüber den eigenen Texten an, die sich durch Copy&Paste, Google, Wikipedia und Thesaurus fast von selbst zu schreiben scheinen.

Mit Hölderlin und Heidegger lässt sich also auch über das Verhältnis von Literatur und Internet sagen: "Wo Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch."