Sie mag dich nicht. Sie schämt sich schon am Anfang. Aber egal! Du bist der Drehbuchautor. Sie ist in Hollywood und hat keinen Erfolg: Sie will die Rolle. Sie braucht dich. Lass sie ein wenig tanzen. Frag sie, ob sie ihr Oberteil auszieht. Zeig ihr den Flachmann. Gib ihr Kokain. Vielleicht, wenn du die Karten richtig spielst, kommt sie in deine Wohnung. Oder du machst jetzt gleich die Hose auf: Sie wird dich mit dem Mund befriedigen. Danach kannst du sie auslachen und heim schicken. Die Filmrolle hat sie eh nicht verdient!

Die Website heißt The Devil In You und das Buch, das damit beworben werden soll Imperial Bedrooms. Vor mehr als 25 Jahren, mit 21, schrieb Bret Easton Ellis einen kurzen, harten Roman über reiche, dumme Erben in LA, Less Than Zero. "Ich war nun mal der erste. Ich habe alle beeinflusst", sagt er heute lapidar: The Hills, Gossip Girl, 90210, die schönen Mädchen mit den toten Augen, das Zerrbild einer zombiehaften, intriganten Jetset-Jugend, Klischees um Sonne, Mode und Verzweiflung. Ellis ist bis heute einer der klügsten und kritischsten Stimmen aus dieser Lifestyle-Blase.

Vor zwei Jahren geriet ein dummes, zynisches und böses Videospiel aus dem Katalog von Amazon.com in die Kritik: Bei RapeLay verkörpert man einen Triebtäter, grapscht Pendlerinnen in der U-Bahn an und bricht danach bei ihnen ein und vergewaltigt sie. Die Mutter mit den großen Brüsten, die Tochter in der Schulmädchenuniform, gern auch die kleine, zehnjährige Schwester – ganz nach persönlichem Geschmack.

Letztes Jahr, im zynisch dummen Online-Spiel Hit the Bitch, sollte einer Frau, sobald sie Widerworte leistete, so lange ins Gesicht geschlagen werden, bis sie blutend zusammenbrach. Das Spiel war eine dänische Aufklärungskampagne gegen Frauenfeindlichkeit und häusliche Gewalt – aber es wurde weltweit zum gefragten Zeitvertreib. Ein Lacher im Büro, Moorhuhn mit einer fotorealistischen Frau.

Muss sich nun ausgerechnet Bret Easton Ellis dort einreihen? Sein Spiel aus Videoschnipseln von der Casting-Couch hat weniger Optionen als der Besuch einer Prostituierten in Videospielen wie GTA, und die Aufnahmen des Spiels sind nicht halb so drastisch wie viele TV-Filme. Zudem fragt The Devil in You schon eingangs sehr moralisch: "Wirst du deine Position ausnutzen, oder das Richtige entscheiden?"

Tut nichts zur Sache. Ist ganz egal. Die Spielmechanik honoriert nur die brutalsten Schritte: Wer das Spiel lösen und "100 Prozent böse" werden will, muss Alkohol und Drogen, Komplimente und Beleidigungen fein abwägen, so lange, bis das (bestürzend!) charakterschwache Opfer jeden Widerstand aufgibt: "Wütend machen. Demütigen. Entwürdigen. Lächerlich machen. Betrunken machen." Die Schlagworte lesen sich wie eine Checkliste, wie klare Imperative.

"Ein witziges, perverses Spiel!", freuten sich Nutzer auf Ellis' Facebook-Seite: "Das hat verboten viel Spaß gemacht, die blonde Nuss zu ärgern!", "92 Prozent – und ich bin eigentlich noch nett zu dieser Schlampe!"