Der freien Zeit im Urlaub begegnet man am Besten mit einem Buch. Gleich mehreren. Einem ganzen Stapel. Und da fängt’s an: Ratlos steht der Abreisebereite vor den Regalen, vor den Auslagen an der Buchladenkasse, überwältigt von der Fülle an Romanen und Erzählungen, diesen ganzen Seiten! Redakteure von ZEIT ONLINE und der ZEIT haben Ihnen deswegen eine kleine Vorschlagsliste zusammengestellt. Die herzerwärmende Liebesgeschichte ist ebenso dabei wie der ausgeruhte Familienroman, der Historienschmöker, die durchgeknallte Satire. Für den Strand und den Berg, für den Balkon und das Hotelzimmer, für die zähen Flugstunden und jene im hoffentlich klimatisierten Zug. Wir wünschen Ihnen einen schönen Urlaub und eine gute Lektüre.

Zeitlose Liebe

Eine Liebesgeschichte, die komplett unrealistisch ist. Na toll. Wieso man sich Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger dennoch in den Koffer packen sollte: Weil der Roman zum Weinen schön ist. Durch einen genialen Kniff – ja, der Titel ist wörtlich zu nehmen – schafft es die Autorin, den Zauber der Liebe aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Nebenbei wirft das Buch dann noch die Frage auf, wie weitreichend die Konsequenzen unseres Handels im Hier und Jetzt sind. Jede Liebe ist einzigartig. Diese hier ganz sicher. Wunderbar, wenn man daran in ruhigen Urlaubsstunden teilhaben kann. (Wenke Husmann, Ressortleiterin Kultur)

Audrey Niffenegger: "Die Frau des Zeitreisenden", S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005, 544 S., 9.95 €


Deutschland – ein, ähm, Märchen

Ordentlich was los auf diesen Seiten! Frankfurt wird zum Märchenwald: bevölkert von Bob-Seger-singenden Hunden, einem terroristisch ambitionierten, bis in alle Löcher bewaffneten Käsestück, dem Ungeheuer Sumsilatipak (auch von hinten zu lesen!) und so mancher Fürchterlichkeit mehr. Ja, was ist denn hier passiert? Die Politik hat Deutschland zugepfropft, umgestülpt, jetzt ist Chaos. Vorsintflut. Meine Güte. Nur Rosalie Vollfenster und ihr Freund Hendrik können diese Welt wieder ins Reine bringen mithilfe eines allwissenden Plüschhasen, des letzten Zuspätkommunisten und eines kampfeslustigen Kunstwerks namens Ohne Titel . So geht’s zu in Dietmar Daths sprachbesoffener Geschichte von der Rettung Deutschlands. Comic und Heldenroman zugleich, Groteske und Systemkritik. Im Grunde alles, was einen Urlaub erst schön macht. Von Daths Artistik kann einem der Kopf rauchen. Schwindelerregende Satzbauten, die vor Geistesblitzen leuchten. Das Fremdwörterbuch sei dazu bisweilen empfohlen. Dieses Buch aber unbedingt. Dringend. (David Hugendick, Redakteur Literatur)

Dietmar Dath: "Deutschland macht dicht", Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, 201 S., 17,80 €