El Ateneo Gran Splendid, Avenida Santa Fe 1860

Das Gran Splendid ist ein ehemaliges Theater, mit Balkonen und Bühne. Wo früher Reihen gepolsterter Klappsitze standen, dämpfen heute Teppiche die Schritte der Kunden, die zwischen den Buchregalen umherstreifen. Der schwere, dunkelrote Vorhang umrahmt noch immer die Bühne. Nur dass die Bretter, auf denen bereits die Tango-Legende Carlos Gardel sang, gegen Parketthölzer ausgewechselt wurden – auf denen kleine quadratische Tische stehen und Kellner Espresso servieren.

El Ateneo Gran Splendid steht für zwei Superlative: Es ist mit 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche die größte Buchhandlung in Südamerika – und vermutlich auch die schönste. Der britische Guardian wählte sie zur zweitschönsten Buchhandlung weltweit, nach dem Boekhandel Selexyz Dominicanen in Maastricht. "Die meisten fanden die Idee zunächst ziemlich verrückt, aus dem Theater eine Buchhandlung zu machen", sagt der Geschäftsführer Jorge González. "Doch als wir die Regale auf die Balkone stellten und sahen, wie perfekt sie sich in den Raum einfügten, da wussten wir, dass die Entscheidung richtig war."

Unter der Bühne, wo früher die Ankleiden für die Schauspieler waren, ist die Jugendbuchabteilung untergebracht. Im Erdgeschoss gibt es die Publikumsrenner, alles von Bestsellern bis hin zur Reiseliteratur, in der ersten Etage Bildbände und Wissenschaftsbücher, in der zweiten Jazz- und Klassik-CDs. Etwa 3000 Besucher kommen durchschnittlich pro Tag in das Geschäft. Einige steigen nur kurz auf den Balkon, um zu fotografieren. Andere bleiben minutenlang stehen, legen den Kopf in den Nacken und betrachten das aufwendig restaurierte Deckenfresko des Italieners Nazareno Orlandi mit den pazifistischen Motiven.

Das Theater für 500 Zuschauer baute der Architekt Max Glücksmann 1919. Zwar wurde 2000 der Umbau zum mehrgeschossigen Buchkaufhaus kritisiert, doch dank der Investition hat das Gran Splendid bis heute überlebt. Und wer könnte schon einem cafecito auf der Bühne widerstehen.

Lektüreempfehlung von Jorge González: "Für Menschen von überall interessant und trotzdem typisch argentinisch: Morels Erfindung von Adolfo Bioy Casares."
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