Martini zum Business-Lunch, akkurat sitzende Anzüge und Kettenrauchen ohne Reuegefühle. Die Macher von Mad Men haben die frühen Sechziger nicht nur bis ins Detail rekonstruiert, sondern machen auch alle Welt verrückt nach dem Lebensstil der Ära. Das gilt ebenso für die in der Serie gelesenen Bücher.

Dass am Anfang der zweiten Staffel ein Text aus Frank O’Haras Meditations in an Emergency von 1957 rezitiert wird, hat bereits zu einem Ausverkauf des Titels bei Amazon geführt. Wie eine Zusammenfassung moderner Grundbefindlichkeit liest sich das von der Hauptfigur Don Draper vorgetragene Gedicht: "Nun warte ich still / bis die Katastrophe meiner Persönlichkeit / wieder schön scheint / und interessant und modern." Passenderweise ist auch das dramatische Finale der zweiten Staffel nach dem Band des Beatnik-Poeten benannt.

Doch auch andere der in der Serie vorkommenden Bücher haben es in sich. Gleich zu Beginn der sechsten Folge liegt Don etwa mit Rona Jaffes Alle meine Träume von 1958 im Bett. Der Roman, welchen er seiner Frau bei dieser Gelegenheit als "dreckiger als die Verfilmung" empfiehlt, ist typisch für die Zeit: Es handelt sich um eine der ersten Schilderungen der Karriere von Frauen im Medienwesen. Eine Steilvorlage also für Mad Men , das den Aufstieg der Sekretärin Peggy Olson zur Werbetexterin erzählt.

Nur zwei Folgen später holt der Chef der Werbeagentur Bertram Cooper dazu aus, den ehemaligen Pelz- und Autoverkäufer über Ayn Rands Atlas wirft die Welt ab von 1957 zu belehren. In dem Roman predigt die Exil-Russin und Nietzscheanerin das Eigeninteresse der Eliten und polemisiert gegen jede Form von sozialem Ausgleich. Schönes Detail: Don Draper ist offensichtlich ermüdet von der philosophischen Ausführung seines alternden Chefs, lauscht aber geduldig, da ihm dieser just 2500 Dollar in die Hand gedrückt hat. Entgegen Coopers Aufforderung wird er sich das Buch nie zulegen – eine wahre Gründungsschrift moderner kapitalistischer Ethik, die heute zur Lieblingslektüre von Leuten wie Rush Limbaugh und Alan Greenspan gehört.

Politische Literatur wird auch thematisiert, als die Crew von Sterling Cooper in der sechsten Folge eine Delegation aus Haifa empfängt. Die um ein besseres Image Israels als Urlaubsland bemühte Gesandtschaft bringt Leon Uris’ Buch Exodus von 1958 als Gastgeschenk. Der die Gründung Israels behandelnde Roman ist dem konservativen Kundenbetreuer Pete Campbell vor allem wegen der darin enthaltenen Schilderungen der Kibbuzim suspekt. Israel sei ein "kommunistischer Staat, in dem Frauen Waffen tragen", beklagt er sich. Dons wie immer unpolitisches Urteil über das Buch lautet dagegen schlicht: "Ich hatte mehr Action erwartet."

Die hätte er bestimmt in einer von Chefsekretärin Joan Holloway empfohlenen Erzählung gefunden. Das Buch, Lady Chatterleys Liebhaber von D.H. Lawrence, stammt zwar schon aus dem Jahr 1928, konnte in den Vereinigten Staaten aber erst ab 1959 legal gelesen werden. Joan spielt auf die lange Periode der Zensur des Romans an und meint: "Von mir aus kann er sogar 500 Jahre alt sein. Er ist ein weiterer Beweis dafür, dass die meisten Leute die Ehe für einen Witz halten." Die damals noch schüchterne Peggy, an die sie den zerlesenen Band weitergibt, wird angewiesen, ihn nicht im Zug zu lesen, da er die falsche Sorte Mann anziehe.

Und auch auf der Fensterbank von Dons Büro stehen Bücher. Zwar findet sich darunter "keine Bibel", wie Südstaatler und Hotelier Conrad Hilton in der siebten Folge der dritten Staffel lautstark moniert. Dafür besitzt Draper merkwürdigerweise eine Sammlung, die man getrost als den Kanon werbe- und konsumkritischer Literatur der frühen sechziger Jahre bezeichnen könnte. Vertreten ist Vance Packards Die geheimen Verführer von 1957, in dem vor der Macht der Werber gewarnt wird, das Unbewusste zu manipulieren. Ein weiterer Klassiker auf Dons Fensterbrett ist David Riesmans Die einsame Masse von 1950, welcher das herdenhafte Konsumverhalten der modernen Gesellschaft anprangert. Ähnlich ist das Anliegen des Buches Das Image von 1961. Der Historiker Daniel Boorstin skizziert darin eine Bedrohung der amerikanischen Kultur durch von der Werbeindustrie fabrizierte Pseudo-Ereignisse. Dass Don gerade diese Bücher schätzt, unterstreicht den Zynismus der Figur.