Fremdsprachige Literatur muss in den Vereinigten Staaten auch einer Reihe struktureller Schwierigkeiten standhalten: "Sie hat den Nachteil, dass die Lektoren und die Marketingabteilung sie generell nicht im Original lesen können", sagt Stock. "Gute Romane bleiben so auf der Strecke." Kommen die Manuskripte oder Leseproben darüber hinaus nicht in gewohnten Paketen der amerikanischen Literaturagenten, kann ihre Sichtung und Beurteilung zum arbeits- sowie zeitaufwendigen und somit auch teuren Unterfangen werden.

Ausländische Literatur hat in den USA auch noch ein weiteres Problem: Kritiker, von denen es aufgrund der Zeitungskrise immer weniger gibt, ziehen in der Regel nationale Autoren vor. Die sind bereits in aller Munde und müssen besprochen werden. "Auch sind wichtige Buchpreise wie der Pulitzer einzig amerikanischen Staatsbürgern vorbehalten", sagt Allen. Damit verlieren Schriftsteller aus anderen Ländern weitere Aufmerksamkeit sowie potenzielle Leserschaft. Mangelt es dem ausländischen Autor zudem an Englischkenntnissen, fallen auch Lesungen weg.

Wenig überraschend daher: 80 Prozent der übersetzten Literatur erscheint in kleinen, unabhängigen Verlagen, die sich das Ziel des literarischen Austausches stecken. Diese von Stiftungen und Regierungsinitiativen unterstützten Bücherhäuser kultivieren eine stärkere Verlagsidentität als kommerzielle Buchunternehmen und vermögen auf diese Weise eine feste Leserschaft an sich zu binden. Dieser Leserkreis bleibt jedoch verschwindend gering.