Drei Wochen lang hämmerte Jack Kerouac 1951 auf seine Schreibmaschine ein. Dann stand das Manuskript, für das er weltberühmt werden sollte. In dem Buch On the Road erzählt der damals 29-jährige Schriftsteller von spontanen Touren per Anhalter, zu Fuß und im Überlandbus quer durchs Land und von seiner Freundschaft mit anderen Beat-Autoren und -Dichtern. Zu ihnen zählten unter anderem William S. Burroughs und Allen Ginsberg.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später kommt nun das Buch heraus, das Kerouac eigentlich im Sinn hatte: On the Road in der Urfassung – und nicht die Romanversion, zu der ihn der Verlag damals wohl gedrängt hatte. Im Original nimmt Kerouac kein Blatt vor den Mund, nennt seine Freunde und Wegbegleiter bei Namen.

Er verzichtet weitgehend auf Satzzeichen. Punkt und Komma sind spärlich gesetzt, auch Absätze kommen kaum vor. Manche Sätze füllen eine halbe Seite, einige sogar noch mehr. Aus Sorge, durch das ständige Ein- und Ausspannen von Papier in der Schreibmaschine im Fluss unterbrochen zu werden, hatte Kerouac vorgesorgt: Er klebte Hunderte Bögen zusammen, eine Rolle von insgesamt 37 Metern.

Diese Rolle der handgetippten Urfassung war einem Football-Club- Besitzer – Jimmy Irsay von den Indianapolis "Colts" – die Summe von 2,43 Millionen Dollar wert. Er schickte die Rolle nach dem Erwerb 2001 in Museen und Universitätsbibliotheken und wurde dadurch zumindest für einen Teil des Kaufpreises entschädigt. 

Kerouac zog seine Inspiration aus Jazz, Poesie, Drogen und schrägen Typen wie seinem Wegbegleiter Neal Cassidy, der in einer Nacht ein Dutzend oder mehr Autos knackt. Kerouac kam aus einer Kleinstadt, Lowell, im Neuenglandstaat Massachusetts. Er war fasziniert vom Leben in New York und unterwegs im Westen, berichtete offen, direkt und für seine Zeit ungewöhnlich genau über sexuelle Abenteuer.

So dauerte es lange, bis Kerouac einen Verleger fand. 1957 wurde sein Buch schließlich veröffentlicht, entschärft, gekürzt und immer wieder umgeschrieben. Dennoch wurde es ein Riesenerfolg. Die New York Times nannte es den "am schönsten geschriebenen, klarsten und wichtigsten Text" seiner Generation. 

Für Kerouac selbst zahlte sich der plötzliche Ruhm Ende der 1950er Jahre nur bedingt aus. Er schrieb noch etliche Bücher, wie beispielsweise The Dharma Bums , Mexico City Blues , The Subterraneans , Desolation Angels und Vision of Cody , starb aber schon 1969 im Alter von 47 Jahren durch innere Blutungen, die wahrscheinlich von seinem langen Alkoholkonsum hervorgerufen worden waren.