Mit den Worten "Wir sind alle im Glück" hat die Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz auf die Würdigung des peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa mit dem Literaturnobelpreis reagiert. "Es ist eine wunderbare Entscheidung", sagte sie auf der Frankfurter Buchmesse. Suhrkamp verlegt die Werke Vargas Llosas in Deutschland.

Die deutsche Literaturexpertin Michi Strausfeld hatte Vargas Lllosa 1980 für den Verlag gewonnen. "Ich freue mich riesig, das ist wohlverdient", sagte die Hispanistin, die seit 30 Jahren mit dem Schriftsteller befreundet ist. Sie hoffe, dass seine Bücher jetzt noch mehr gelesen würden. Argentinien als Partnerland der diesjährigen Buchmesse und der Nobelpreis für Vargas Llosa seien großartig für die Verbreitung der lateinamerikanischen Literatur in Deutschland.

Jürgen Dormagen, der langjährige Lektor des neuen Literaturnobelpreisträgers, war stets davon überzeugt, "dass er irgendwann diesen Preis bekommen würde. Er hat es wie kein anderer verstanden, das Leben in Peru und die Gewalt, die das Leben bedeutet, in seinen Werken nachzuzeichnen". Besonders Das Fest des Ziegenbocks lasse den Urtypus des lateinamerikanischen Diktators "derartig spürbar werden, dass es dem Leser unter die Haut geht".

Auch der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, kommentierte die Auszeichnung Vargas Llosas: "Mit ihm wird auch ein Intellektueller gewürdigt, der sich in seinem Werk und in seinen politischen Einlassungen immer deutlich positioniert und für die Einhaltung der Menschenrechte nicht nur in Lateinamerika eingesetzt hat." Aus persönlicher Sicht beurteilt Staeck die Würdigung allerdings ambivalent: "Seine Wandlung vom Revolutionär zum konservativen Kritiker jeglicher linker Politik und zum Marktliberalen hat mich jedoch stets irritiert."

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki freut sich für den Preisträger. Er hält die Auszeichnung Mario Vargas Llosas für "eine sehr gute Entscheidung". "Vargas Llosa ist ein Schriftsteller mit Fantasie und Realismus, mit Gefühl für die Figuren. Und er ist sehr gut lesbar." Im Gegensatz zu früheren Jahren sei dieses Votum der Stockholmer Jury "gar nicht so dumm". Häufig sei in den vergangen Jahren der Preis an Autoren verliehen worden, die diese Ehre gar nicht verdienten. In diesem Jahr sei das anders. Er habe den peruanischen Autor mehrmals getroffen und auch persönlich schätzen gelernt, sagte der Kritiker.

Positiv überrascht zeigte sich der peruanische Verleger Pierre Emile Vandoorne über das Urteil der Jury: "Viele Menschen in Peru haben nicht mehr geglaubt, dass er den Preis erhält", sagte er. Schließlich habe Vargas Llosa seit Jahrzehnten zu den Kandidaten gehört. "In Peru dachte man, dass er den Nobelpreis nicht mehr bekommt wegen seiner politischen Ansichten, die ja angeblich dem Nobelpreiskomitee in Schweden nicht gefallen haben", sagt der 32-jährige Verleger aus Lima. Letztlich habe sich doch die überragende literarische Qualität Vargas Llosas durchgesetzt.